Pothmer fordert bessere Förderung für geflüchtete Frauen

Geflüchtete Frauen werden viel zu selten mit Instrumenten der aktiven Arbeitsmarktpolitik gefördert. Dabei ist fast ein Drittel der arbeitslosen Flüchtlinge weiblich. Trotzdem konzentriert sich die Arbeitsmarktpolitik bisher weitgehend auf die männlichen Flüchtlinge, obwohl die Frauen einen höheren Förderbedarf haben. Die Antwort der Bundesregierung auf eine Schriftliche Frage von Brigitte Pothmer zeigt, wie groß die Schieflage in der Förderung tatsächlich ist. Als "besorgniserregend" bezeichnet Grünen-Arbeitsmarkteexpertin Pothmer die Befunde, wonach nur ein Viertel aller arbeitslosen geflüchteten Frauen an einer Fördermaßnahme teilnimmt, gegenüber dem Tagesspiegel (s. Artikel "Zum Nachteil der Frauen" vom 13. März 2017).

"Einer der größten integrationspolitischen Fehler der Vergangenheit – in der Gastarbeiterpolitik genauso wie während den Fluchtbewegungen der 90er Jahre - war es, sich ausschließlich auf die Männer zu konzentrieren und die Arbeitsmarktintegration der Frauen komplett zu vernachlässigen", so Pothmer. Diesen Fehler dürfe man jetzt nicht wiederholen. Die Integration der geflüchteten Frauen in den Arbeitsmarkt sei nicht nur für deren eigene Existenzsicherung unverzichtbar. "Sie ist auch eine wichtige Voraussetzung dafür, dass sich ihre Kinder gut in unsere Gesellschaft mit ihren Werten wie der gleichberechtigten Teilhabe von Frauen am Arbeitsleben integrieren." 

Die geflüchteten Frauen brächten in der Regel weniger Erwerbserfahrung und einen niedrigeren Bildungsstand mit als die geflüchteten Männer. "Sie brauchen also mehr Förderung und nicht weniger", unterstreicht Pothmer. Ganz offensichtlich seien die Arbeitsagenturen und Jobcenter aber noch nicht gut genug gerüstet, um geflüchtete Frauen auf ihrem Weg in Arbeit und Ausbildung zu unterstützen. Ein auf Berlin beschränktes Modellprojekt  werde daran nicht viel ändern.

Pothmer fordert einen deutschlandweiten Ansatz: "Es braucht eine Gesamtstrategie, mit der geflüchtete Frauen bundesweit verstärkt angesprochen und besser gefördert werden können. Dass es mit "Perspektiven für weibliche Geflüchtete" mittlerweile eine Maßnahme gibt, die die speziellen Bedürfnisse von geflüchteten Frauen berücksichtigt, ist ein guter Anfang. Das allein wird aber nichts nützen, wenn die Frauen danach nicht in die anderen regulären Fördermaßnahmen einmünden. Die Bundesregierung muss hier dringend nachlegen." So sollten Maßnahmen der Arbeitsförderung auch in Teilzeit absolviert werden können und die Kinderbetreuung ebenfalls sichergestellt sein, fordert die Grüne. Vorbehalte gegenüber gemischtgeschlechtlichen Förderangeboten müssten angesprochen und abgebaut werden. Gleichzeitig sollten gerade niedrigschwellige Angebote verstärkt auch in reinen Frauengruppen stattfinden.

Wichtige Ergebnisse aus der Anfrage an die Bundesregierung

  • Insgesamt waren im Oktober 157.474 Geflüchtete arbeitslos gemeldet. Davon waren 71 Prozent (111.831) Männer und 29 Prozent (45.639) Frauen.
  • Nur 26, 4 Prozent der im Oktober arbeitslos gemeldeten geflüchteten Frauen wurden mit einer Maßnahme der aktiven Arbeitsmarktpolitik gefördert.
  • Im Oktober nahmen zwar 75.599 Flüchtlinge an einer arbeitsmarktpolitischen Maßnahme teil. Davon waren aber 84 Prozent (63.526) Männer und nur 16 Prozent (12.066) Frauen.
  • Geflüchtete Frauen sind in allen Maßnahmen der Arbeitsmarktpolitik gegenüber geflüchteten Männern stark unterrepräsentiert: 

Maßnahmeart

Geflüchtete Teilnehmer insgesamt

Anteil geflüchtete Männer in Prozent

Anteil geflüchtete Frauen in Prozent

Aktivierung und berufliche Eingliederung

55.814

85

15

Berufswahl und Berufsausbildung

6.749

81,7

18,3

Maßnahme der beruflichen Weiterbildung

4.035

78,9

21,1

Instrumenten zur Aufnahme einer Erwerbstätigkeit

3.597

91,5

8,5

Beschäftigung schaffende Maßnahmen

3.440

76,7

23,3

  • Von Januar bis Oktober 2016 haben 19.819 Geflüchtete eine Maßnahme „Perspektiven für Flüchtlinge “ begonnen. Aber nur 9,7 Prozent der Teilnehmenden waren Frauen (1.917). Das bedeutet, dass nur etwa vier Prozent der arbeitslos gemeldeten geflüchteten Frauen, bisher an einer solchen Maßnahme teilgenommen haben. Bei den Männern sind es immerhin 16 Prozent. Dabei sollte gerade diese Maßnahme am Anfang des Integrationsprozesses stehen, da innerhalb der Maßnahme Kompetenzen festgestellt und die Teilnehmerinnen und Teilnehmer über den deutschen Arbeitsmarkt informiert werden.