In Deutschland werden Fachkräfte händeringend gesucht, sagte Arbeitsministerin Nahles Anfang März 2017 in einem Interview mit dem Morgenmagazin. Gleichzeitig berichtete sie über die Anstrengungen der Betriebe, ihre älteren Beschäftigten möglichst lang zu halten.

Unerwähnt ließ Nahles, dass ihre abschlagsfreie Rente mit 63 es den Unternehmen massiv erschwert, dieses Ziel auch tatsächlich zu erreichen. Zahlen, die das Bundesministerium für Arbeit und Soziales auf eine grüne Anfrage hin veröffentlicht hat, belegen, dass wegen der Rente mit 63 zahlreiche Fachkräfte vorzeitig aus dem Arbeitsleben ausscheiden.

Das Handelsblatt berichtet in seiner Ausgabe vom 17.05.17 unter dem Titel „Der große Ausverkauf“ über die Folgen: Insgesamt haben deutlich mehr als eine halbe Million Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer 2014 die abschlagsfreie Rente ab 63 genutzt. Die meisten davon waren Fachkräfte. Gleichzeitig stieg die Zahl der offenen Stellen auf einen neuen Höchststand, wobei insbesondere qualifizierte Beschäftigte gesucht werden. Den Aderlass zu spüren bekommen u.a. Branchen mit vielen sogenannten MINT-Berufen (Mathematiker, Ingenieure, Naturwissenschaftler, Techniker) zu spüren.

Aufgegriffen wird auch die grüne Kritik an der Rente mit 63. Arbeitsministerin Nahles hat der Fachkräftesicherung einen Bärendienst erwiesen. Ihre Rente mit 63 hat hunderttausende Fachkräfte in den vorzeitigen Ruhestand gelockt. Damit wurde die Abkehr von den Frühverrentungsstrategien der vergangenen Jahrzehnte ad absurdum geführt.

Ohne die Erfahrung und Fähigkeiten die Älteren geht es aber nicht, wenn der wachsende Fachkräftebedarf gedeckt werden soll. Anstatt die Fortschritte bei der Beschäftigung Älterer leichtfertig aufs Spiel zu setzen, hätte Nahles besser Betriebe und Unternehmen bei der Gestaltung alternsgerechter Arbeitsbedingungen unterstützt.