Betriebe beklagen Fachkräftemangel, aber lassen ältere Arbeitslose links liegen

Die Zahl der offenen Stellen hat laut Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung im ersten Quartal 2017 einen neuen Höchststand erreicht , und es dauert immer länger, bis offene Stellen besetzt werden können. Ältere Arbeitslose, die oft gut qualifiziert sind, haben davon allerdings kaum etwas. Ihre Chancen auf eine neue Beschäftigung sind weiter sehr viel schlechter als die Jüngerer. Das zeigt die Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen-Arbeitsmarktexpertin Brigitte Pothmer.  

Danach waren ältere Arbeitslose im Alter von 55 bis unter 65 Jahre zuletzt durchschnittlich 420 Tage arbeitslos. Bei allen Arbeitslosen waren es im Schnitt 266 Tage. Damit dauert die Arbeitslosigkeit bei Älteren fast 60 Prozent länger. Das führt u.a. dazu, dass nahezu die Hälfte der 55-jährigen Arbeitslosen langzeitarbeitslos ist. "In Hochglanzbroschüren preist die Wirtschaft ältere Bewerberinnen und Bewerber als 'motivierte und qualifizierte Alternative'. Trotzdem werden Ältere bei Neueinstellungen nach wie vor oft links liegen gelassen. Diese Diskrepanz zwischen Sonntagsreden und Praxis der Arbeitgeber ist weder gerechtfertigt noch klug", kritisierte Grünen-Politikerin Pothmer gegenüber den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (s. Artikel vom 21. Juli 2017)

Viele Ältere sind gut qualifiziert

Ältere Arbeitslose seien im Durchschnitt deutlich besser qualifiziert als andere Arbeitslose, so Pothmer weiter. Zwei Drittel der über 55-jährigen Arbeitslosen hätten entweder einen beruflichen oder einen akademischen Abschluss, im Durchschnitt sei es nur etwas mehr als die Hälfte. Zudem machten Betriebe, die Menschen über 50 Jahren einstellen, sehr positive Erfahrungen mit ihren neuen Beschäftigten. Das alles habe aber noch zu keiner durchgreifenden Verbesserung bei der Einstellung älterer Menschen geführt. Pothmer sieht die Betriebe am Zug: "Wer ältere Arbeitslose auf dem Abstellgleis stehenlässt, darf sich über Fachkräfteengpässe nicht beschweren. Ohne die Älteren wird der Fachkräftemangel nicht zu bewältigen sein. Die Betriebe müssen sich endlich gegenüber älteren Bewerbern öffnen und ihre Potenziale und Erfahrung nutzen." 

Die Benachteiligung dieser Gruppe müsse aber auch in der Arbeitsförderung aufhören, unterstrich Pothmer. Nach wie vor würden über 55-Jährige weit unterdurchschnittlich unterstützt. Auch das schmälere ihre Chancen auf eine neue Arbeit. "Wer bei der Arbeitsförderung aber schon 55-Jährige abschreibt, braucht von der Rente mit 67 nicht zu reden."