Brigitte Pothmer, MdB

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20. März 2006

Hildesheimer Salon "Ob Kinder oder keine entscheiden wir alleine?"

Veranstaltungs-Rückblick

Ob Kinder oder keine entscheiden wir alleine?

Diese gesellschaftspolitisch aktuelle Frage war Thema des 1. Hildesheimer Salons, veranstaltet von der Stiftung Umwelt und Leben. Über 50 Gäste aller Altersgruppen waren am 20.03. der Einladung ins "Cafe Einstein" am Marienburger Platz gefolgt. Nach einem Filmbeitrag und einer Talkrunde mit Dr. Kirsten Scheiwe Professorin an der Uni Hildesheim, Brigitte Pothmer Grünen-Bundestagsabgeordnete, Dr. Hans-Jürgen Schimke (B'90/Die Grünen)  Bürgermeister der kinderfreundlichen Gemeinde Laer bei Münster und Peter Döge vom Institut für anwendungsorientierte Innovations- und Zukunftsforschung in Berlin entspann sich schnell eine engagierte Diskussion mit dem Publikum.
Moderatorin Marion Olthoff hatte dazu den Podiumsgästen mit der Kernfrage das richtige Stichwort gegeben: "Warum bekommen die Deutschen so wenige Kinder?"

Sicherlich gibt es darauf keine einfachen Antworten. Peter Döge meint, "es ist an der Zeit, dass die Wirtschaft erkennt, welch hohe Qualifikation Männer mit Erziehungserfahrung haben. Wenn es kein Karriereknick für Männer und Frauen ist, Erziehungsurlaub zu nehmen, werden auch mehr Paare sich für Kinder entscheiden."

"Erstmalig wird eine ernsthafte Debatte in der Politik geführt," sagte Brigitte Pothmer. Aus ihrer Sicht müssten zu allererst Strukturen und Rahmenbedingungen geschaffen werden, die das Elternsein wieder attraktiver machen. "In der Rushhour des Lebens, in der Ausbildung und Karrierewunsch einen hohen Energieeinsatz fordern, muss es für eine Frau trotzdem möglich sein Mutter zu werden, wenn sie es denn will!"

Wie durch ein Zusammenwirken von Politik und Bürgergesellschaft gute Strukturen geschaffen werden können, zeigt sich in der Gemeinde Laer bei Münster. Hier wird durch ganztätige Kinderbetreuung in Kindergarten und Grundschule Paaren die Möglichkeit eröffnen, sich für Kinder und Beruf zu entscheiden, berichtete der Bürgermeister Hans-Jürgen Schimke.

Aber auch an die Bereitschaft von Arbeitgebern, Elternzeit und Teilzeitstellen für Frauen und Männer als selbstverständliches und Mitarbeiter motivierendes Angebot zu verstärken, appellierte die Talkrunde. Männlich geprägte Arbeitstrukturen müssten aufgeweicht werden, denn, so Peter Döge, "die Anwesenheitskultur am Arbeitsplatz führt zu einem Vereinbarkeitsproblem für Männer." Aber auch die "strukturelle  Rücksichtslosigkeit" in einer wenig kinderfreundlichen Gesellschaft, verhindert die tatsächliche Gleichberechtigung auf dem Arbeitsmarkt, sagte Hans-Jürgen Schimke.

Frau Prof. Scheiwe mahnte an, es zu unterlassen, eine bestimmte Gesellschaftsgruppe für die niedrige Geburtenzahl verantwortlich zu machen. Die schnelle Suche nach Schuldigen lenke nur von den Versäumnissen der Vergangenheit ab und verhindere, wichtige Konsequenzen zu ziehen.

Die vielen, oft auch sehr aus persönlicher Sicht geschilderten Gedanken aus dem Publikum trugen zu einem spannenden Veranstaltungsablauf bei. Vergnüglich und nachdenklich zugleich rundeten die Lieder des Hildesheimer Gesangsduos Kodak-Moments mit Manuela Hörr und Mark Roberts den Abend ab. Die Veranstaltungsreihe wird fortgesetzt. Die Organisatorinnen aus dem Hildesheimer Arbeitskreis Grüne-Frauenpolitik denken bereits über den nächsten Salontermin mit einem entsprechend aktuellen Thema nach.

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