Brigitte Pothmer, MdB

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Porträt HAZ

28. Dezember 2007

"Die beherzte Schnellaufsteigerin"

Hannoversche Allgemeine Zeitung

Vielleicht hat Brigitte Pothmer das Glück einer Spätberufenen. Einen "Neuanfang in der Sozialpolitik" wollen die Grünen wagen, jetzt da sie nicht mehr in der Regierungsverantwortung sind. Die 52-jährige aus Hildesheim kann dabei relativ unbelastet die Aufgabe übernehmen, die Fraktionskollegen ihr zuschreiben: "Sie steht für die Entrümpelung von Rot-Grün." Als die Schröder Regierung dei Hartz-Reform verabschiedete, saß Pothmer noch nicht im Bundestag.

Die Tatsache, dass sie vieles unbeschert betrachten kann, reicht nicht, um zu erklären, warum Pothmer, erst seit 2005 in Berlin, so schnell in verantwortliche Stellung in der Fraktion gekommen ist. Es liegt wohl an ihrer offenen, herzlichen Art gepaart mit Kompetenz und guter Vorbereitung, zuweilen auch Penetranz gegenüber Journalisten. Politik muss nach ihrem Verständnis "auch stets Herzenssache" sein. Pothmer ist arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Grünen und hat erst kürzlich eine Kommission geleitet, die eines von zwei Alternativmodellen für die Beseitigung der "Ungerechtigkeien" der rot-grünen Arbeitsmarktreformen vorgelegt hat.

Der Begriff "Gerechtigkeit" ist so zentral in ihrem Wortschatz, dass die Sozialpsychologin kiebig wird, wenn ihr Gerechtigkeitsgefühl verletzt wird. "Populismus" nennt sie den Plan von SPD-Chef Kurt Beck, das Arbeitslosengeld für Ältere zu verlängern. Aber hatte nicht auch Beck mit "Gerechtigkeit" argumentiert? "Beck ging es nicht um bessere Chancen für Ältere, sondern um bessere Werte für  die SPD", beschreibt sie den Versuch, Punkte beim Wähler gutzumachen.

Von 1994 bis 2003 saß Pothmer im Niedersächsischen Landtag, war danach zwei Jahre lang Landesvorsitzende der Grünen, bevor sie 2005 nach Berlin ging. Wie so viele Grüne war auch für Brigitte Pothmer Gorleben der Einstieg in die Politik. Das war in den siebziger Jahren, Pothmer demonstrierte gegen das Atomendlager nicht weit vom elterlichen Hof. Den Grünen trat sie freilich erst 1992 bei. Vorher gehörte Pothmer zu den Gründerinnen der Freien Frauenliste in Hildesheim. Ihr Einsatz für die Gleichberechtigung hat wiederum mit dem elterlichen Hof zu tun. Schon als kleines Mädchen habe sie ihrer Mutter gesagt: "Das würde ich mir nicht gefallen lassen." Diesselbe Last zu tragen wie der Vater nämlich, ohne gleichberechtigt zu sein.

Der Grünen-Parteitag im vergangenen November hat "einen wirklichen Aufbruch formuliert", sagt Pothmer. Dabei strahlt sie so, dass ihr Standardbekenntnis, die Grünen müssten stets "Lobby für die Schwächsten der Gesellschaft" sein, herüberkommt. Herzenssache eben.

Zusätzliche Information

Porträtfoto Brigitte alt