Springe direkt zu: Contentbereich, Hauptnavigation, Suche
Sie sind hier:
Hildesheim (ere). 850 Millionen Menschen weltweit hungern. Und täglich werden es mehr. Die Grünen-Bundestagsabgeordnete Brigitte Pothmer hat ihren Fraktionskollegen Thilo Hoppe, seit drei Jahren Vorsitzender im Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, in ihr Wahlkreisbüro eingeladen. Dort erläuterte er Ursachen für den Welthunger.
Seit einigen Monaten sei das Thema, sonst immer nur Randthema in der Politik, wieder "en vogue". Das liege daran, dass durch die weltweite Preissteigerung für Lebensmittel nun in Entwicklungsländern auch der Mittelstand betroffen sei, die Menschen dort müssten teilweise 80 Prozent ihres Einkommens für Lebensmittel ausgeben. Aufstände seien die Folge, und "wenn Steine fliegen, wird die Weltöffentlichkeit aufmerksam".
Aber woher kommt der Hunger in manchen Regionen dieser Erde? Als Hauptproblem hat Bode ausgemacht, dass die landwirtschaftlichen Flächen in den "Hungerländern" nicht von einheimischen Kleinbauern zur regionalen Versorgung genutzt werden können, weil sie westlichen Staaten zur Verfügung stehen. Das habe in der Kolonialzeit angefangen, als Luxusprodukte wie Tee, Kaffee oder Baumwolle angebaut wurden. So verbreiterte sich die Warenpalette der Kolonialherren, aber dem einheimischen Bauern blieb kein Platz mehr, um Grundnahrungsmittel anzubauen. Heute sind es vor allem Futtermittel für die Massentierhaltung, die der Westen in den Hungerländern anbaut und damit eine Selbstversorgung der dort lebenden Menschen verhindert.
Weiter zu diesem Problem trügen auch die Agrar-Export-Subventionen bei, die dem hiesigen Landwirt ermöglichten, seine Produkte so günstig zu verkaufen, dass sie in den Entwicklungsländern den dort erzeugten Produkten Konkurrenz machen. Auch durch Bodenspekulationen an der Börse würden Kleinbauern oft auf brutale Weise von den seit Generationen von ihrer Familie bewirtschafteten Feldern verdrängt.
"Was kann man tun?", diese Frage tat sich mehrfach unter den Zuhörern auf. "Wettbewerb ist richtig, aber er braucht faire Spielregeln", forderte Hoppe. Also ein ja zur Marktwirtschaft, aber bitte ökologisch und sozial. Die Politik sei gefordert, die Kleinbauern zu schützen, zum Beispiel, indem Flächen gesetzlich für den heimischen Nahrungsmittelanbau ausgewiesen werden.
Quelle: Hildesheimer Allgemeine Zeitung