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Hildesheim (vb). Papst Benedikt XVI. steht massiv in der Kritik. Nachdem er vier Bischöfe der erzkonservativen Piusbruderschaft rehabilitiert hat – unter ihnen den überzeugten Holocaust- Leugner Richard Williamson – reagieren viele Katholiken verstört.
Hildesheims Bischof Norbert Trelle erklärte kürzlich, er halte die Leugnung des Holocausts für "gänzlich unerträglich und in keinster Weise zu rechtfertigen". Der Vatikan reagierte gestern auf den zunehmenden Druck und forderte Richard Williamson nun auf, seine Thesen öffentlich zu widerrufen. Die Rehabilitierung wurde jedoch nicht zurückgenommen.
Auch in Hildesheim verfolgt man das Verhalten des kirchlichen Oberhauptes irritiert. Diakon Wilfried Otto von der Gemeinde Guter Hirt hält das Verhalten des Papstes für ungeschickt und unnötig. Zwar kann Otto Verständnis aufbringen, dass der Vatikan mit der Piusbruderschaft einen anderen Umgang pflegen möchte. "Aber jemand, der solche Thesen vertritt, der gehört nicht in ein Amt der Kirche, der kann kein Bischof sein", sagte Otto. Er erwarte, dass innerhalb der Kirche gut geprüft werde, wer welche Aufgaben übertragen bekommt. "Wer lügt, kann kein Amt in der katholischen Kirche übernehmen. Und den Holocaust in dieser Form zu leugnen, ist eine Lüge."
Auch Bettina Stempel, Diözesanvorsitzende des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend in Hildesheim, kann das Handeln des Vatikans nur schwer nachvollziehen. "Ich hätte mir eine andere Entscheidung gewünscht und ein anderes, offensiveres Auftreten." Stempel erhofft sich eine Stellungnahme des Papstes. Auch ein Papst könne sein Handeln berichtigen. "Das ist glaubwürdiger als starr auf der Meinung zu beharren", sagt Stempel.
Thomas Liekefett, stellvertretender Vorsitzender des Diözesanrates, kritisiert die mangelnde Recherche innerhalb der Kirche. "Ich bin irritiert, dass bezüglich Williamson offensichtlich nicht ausreichend geprüft wurde", erklärt Liekefett. Dass das Vorgehen des kirchlichen Oberhauptes dem Ansehen Deutschlands schadet, glaubt Liekefett nicht. "Der Papst repräsentiert ja nicht Deutschland sondern den Vatikan und die katholische Kirche."
In der Jüdischen Gemeinde Hildesheim sei man ziemlich entsetzt über die Rehabilitierung der Piusbruderschaft, erklärt der Vorsitzende Wolf-Georg von Eickstedt. "Das Streben nach Einheit innerhalb der Kirche ist doch etwas weltfremd", sagt von Eickstedt.
Gegenüber böswilligen Menschen komme man damit nicht weiter. "Aber die guten und freundschaftlichen Beziehungen zwischen der katholischen Kirche und der Jüdischen Gemeinde hier in Hildesheim werden dadurch nicht beeinträchtigt", betont von Eickstedt. Die kritische Stellungnahme von Bischof Trelle stimme den Vorsitzenden zudem froh.
Auch die Grünen-Politikerin Brigitte Pothmer schaltet sich in die Diskussion rund um das Verhalten des Vatikans ein. Im Gegensatz zu von Eickstedt kritisiert sie dabei auch Bischof Norbert Trelle – dieser habe zwar öffentlich die Leugnung des Holocaust durch Richard Williamson verurteilt, nicht jedoch die päpstliche Entscheidung über Williamsons Rehabilitierung. "Unabhängig davon, ob die Verantwortung für diesen Skandal bei einzelnen Kardinälen oder bei Papst Benedikt persönlich liegt: Die Aufhebung der Exkommunizierung muss zurückgenommen werden", fordert Pothmer.
Papst Benedikt XVI. hat sich gestern auf einer Generalaudienz im Vatikan der Öffentlichkeit gezeigt. Zur anhaltenden Kritik über die Rehabilitierung des Holocaust-Leugners Williamson verlor er dabei allerdings kein einziges Wort.