Brigitte Pothmer, MdB

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5. Juni 2009

Atommüll: Schrecken ohne Ende

Jede Woche neue Horror-Meldungen zum Atommülllager Asse: kaputte Fässer, verseuchte Tierkadaver, Gifte und Laugeneinbrüche. Niemand weiß, was alles in der Schachtanlage bei Wolfenbüttel versenkt wurde und wann das ganze Bergwerk absäuft. Ehemalige Beschäftigte sind an Krebs erkrankt, eine radioaktive Verseuchung des Grundwassers droht und während die Atomkonzerne lange Jahre von der billigen Mülldeponie in der Asse profitiert haben, wollen sie sich jetzt nicht an den Kosten der Stilllegung und der Beseitigung der Gefahren beteiligen. Gewinne nehmen E.ON und Co gerne mit, die Kosten bleiben den Steuerzahlern überlassen.

Das alles müsste Grund genug sein, für die Aufklärung des Skandals auch im Bundestag zu sorgen. Weit gefehlt. Nicht nur CDU/CSU und FDP wollen das nicht – nein, auch die SPD hat den Antrag der Grünen auf Einsetzung eines Untersuchungsausschusses nicht unterstützt. Bundesumweltminister Sigmar Gabriel will Aufklärung in Niedersachsen – in Berlin tritt er aber auf die Bremse. Obwohl ein Großteil der Verantwortung für das Atommülldesaster im Bundesforschungsministerium und anderen Bundesbehörden zu suchen ist. Allein in Niedersachsen wird das ganze Ausmaß der organisierten Unverantwortlichkeit nicht ans Tageslicht kommen.

Das ist umso schlimmer, weil die Asse auch so etwas wie der Prototyp für das Endlager in Gorleben sein sollte und weil auch Gorleben selbst immer mehr zum Skandal wird.

Wie ist die Entscheidung für die Erkundung des Salzstocks im Wendland zustande gekommen? Wurde in Gorleben nicht nur erkundet, sondern auch schon gebaut? Hat Kanzlerin Angela Merkel in ihrer Zeit als Bundesumweltministerin Warnungen von Wissenschaftlern zur Entsorgung von Atommüll ignoriert?

In Sachen Atom gibt es auf immer mehr Fragen immer weniger wirkliche Antworten.

Fest steht nur eins: Die Nutzung von Atomkraft und die Lagerung von Atommüll sind hoch gefährlich. Darum brauchen wir den Ausstieg aus der Atomenergie und eine neue ergebnisoffene Standortsuche für die möglichst sichere Lagerung des Mülls mit seiner Jahrhunderte andauernden Strahlung.

Beitrag Brigitte Pothmers für die Kolumne der Uelzener Zeitung "Meine Woche in Berlin..." vom 5. Juni 2009

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