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Michael Jäger (l.) begrüßte (v.l.) Brigitte Pothmer, Thilo Hoppe und Sven Giegold in Cloppenburg.
CLOPPENBURG - Mit einem anderen Selbstbewusstsein in die wirtschaftspolitische Debatte gehen – das forderte Sven Giegold von den Menschen auf ländlicher Ebene. Der Europa-Abgeordnete der Grünen sprach auf der Versammlung der Kreisverbände am Sonnabend im Cloppenburger Rathaus.
Wenn es stimme, so Giegold, dass die derzeitige Krise eine Ressourcen- und Knappheitskrise sei, dann heiße das, dass Fläche eine ganz neue Bedeutung bekäme. Man müsse weg von endlichen Ressourcen hin zu erneuerbaren, die im eigenen Land produziert werden müssten. Das bedeute, dass die ländlichen Räume eine Zukunftsaufgabe zu erfüllen hätten. "Sie müssen zu Nettoexporteuren von Energie werden", fordert der Mitbegründer von Attac Deutschland. Giegold thematisierte auch die Bildungs- und Finanzpolitik.
Auf grüne Arbeitsmarktkonzepte und die Zukunftschancen durch ökologische Innovation ging die Bundestagsabgeordnete Brigitte Pothmer ein. Sie bedauerte, dass die Wirtschaftskrise die des Klimas überlagere und zu wenig Mittel für letztere bereitgestellt würden. "Beide Krisen lassen sich nur gemeinsam begegnen", stellte sie fest. In puncto Armut und Bildung sieht die Politikerin die Gefahr des Spaltens der Gesellschaft. 56 Prozent der Eltern würden laut einer Studie ihre Kinder auf eine Privatschule schicken, könnten sie es sich leisten. "Das ist ein vernichtendes Urteil für das öffentliche Schulsystem", sagte Pothmer, die im Ausschuss für Arbeit und Soziales sitzt. Bildungseinrichtungen bedürften einer Verbesserung, sonst verabschiede sich die Mittelschicht.
Faire Löhne und Mindestlohn lauteten ihre Forderungen für den Arbeitsmarkt. Leiharbeit und das Ausweiten des prekären Arbeitsmarktes hätten nicht den Weg in den ersten Arbeitsmarkt geebnet. Stattdessen trügen Leiharbeiter als Erste die Risiken der Krise, müssten ohne Abfindung gehen und sollten mobil sein. Allein dafür stehe ihnen eine Zulage zu.
(c) Nord-West-Zeitung, 31.08.09