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31. Juli 2009

"Kurzarbeit dämpft Krisenfolgen"

Nürnberg/Hannover (rtr/ap/dpa). Der Arbeitsmarkt hält der Wirtschaftskrise bislang besser stand als erwartet. Dank massiver Nutzung der Kurzarbeit stieg die Zahl der Erwerbslosen im Juli nur halb so stark wie befürchtet. Bundesarbeitsminister Olaf Scholz (SPD) sprach von einer "kleinen Sensation".

Experten rechnen aber für den Herbst mit einer Entlassungswelle, falls sich die Auftragsbücher der Unternehmen bis dahin nicht spürbar füllen – und das ist nicht absehbar. Im deutschen Maschinenbau zum Beispiel brachen die Auftragseingänge nach gestern vorgelegten Zahlen im Juni weiter ein. Die Bestellungen seien im Vergleich zum Vorjahr um 46 Prozent zurückgegangen, teilte der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) mit. "Es ist ganz schwer abzuschätzen, wann es bergauf geht", sagte VDMA-Hauptgeschäftsführer Hannes Hesse.

Die Arbeitslosenzahl stieg von Juni auf Juli um 52?000 auf 3,462 Millionen, wie die Bundesagentur für Arbeit (BA) mitteilte. Die Rezession hinterlasse Spuren, sagte BA-Chef Frank-Jürgen Weise. "Insgesamt sind die Auswirkungen der Wirtschaftskrise aber moderat." Grund sei die von der BA geförderte Kurzarbeit. Derzeit arbeiten bis zu 1,4 Millionen Beschäftigte kurz. Die BA rechnet damit, in diesem Jahr 5,1 Milliarden Euro für die Kurzarbeit aufwenden zu müssen. Auch Weise zeichnete die Zukunft eher düster. "Für den Arbeitsmarkt wird die Belastung ansteigen", sagte der BA-Chef. Es werde im Herbst vermehrt Entlassungen geben in Firmen, die nach dem Ende der Kurzarbeit keine neuen Aufträge an Land ziehen könnten. Im Vergleich zum Juli 2008 gab es 252?000 Arbeitslose mehr. Die Erwerbslosenquote legte binnen Jahresfrist von 7,7 auf 8,2 Prozent zu.

Die Arbeitsmarktexpertin der Grünen, Brigitte Pothmer, prognostizierte, das ganze Scheitern der Arbeitsmarktpolitik der Koalition werde erst sichtbar, "wenn im Herbst Kurzarbeit zu Arbeitslosigkeit wird, wenn Jugendliche weder Ausbildung noch Arbeit finden und Ältere auf die Straße fliegen". FDP-Vize-Chef Rainer Brüderle monierte, die Koalition könne die Konjunktur "mit dem Strauß unterschiedlicher Maßnahmen von zweifelhafter Wirksamkeit" nicht mehr in Schwung bringen. "Das ist bloß der teuerste Wahlkampf aller Zeiten." Auch in Niedersachsen stieg die Zahl der Arbeitslosen im Juli leicht. Insgesamt waren 315?648 Menschen ohne Job. Das waren 3,3 Prozent mehr als im Juni, hauptsächlich wegen der Ferien, wie die BA-Regionaldirektion in Hannover mitteilte.

(c)Hannoversche Allg. Zeitung

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