Springe direkt zu: Contentbereich, Hauptnavigation, Suche
Sie sind hier:
Nürnberg, 1. Dezember (AFP) - Der deutsche Arbeitsmarkt trotzt weiter der weltweiten Wirtschaftskrise. Die Zahl der Arbeitslosen
ging im November im Vergleich zum Oktober um 13.000 auf 3,215 Millionen zurück, wie die Bundesagentur für Arbeit (BA) am Dienstag in Nürnberg mitteilte. Die neue Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) zeigte sich erfreut, warnte aber zugleich, dass die Talsohle keineswegs durchschritten sei.
Die Arbeitslosenquote sank um 0,1 Prozentpunkte auf 7,6 Prozent. Im Vergleich zum November vor einem Jahr gab es allerdings aufgrund der schweren Rezession 227.000 Arbeitslose mehr. Dennoch seien die Auswirkungen der Wirtschaftskrise auf Arbeitslosigkeit und Beschäftigung "weit weniger dramatisch als zunächst von vielen befürchtet", erklärte BA-Chef Frank-Jürgen Weise. Auch nach rund einem Jahr Wirtschaftskrise zeige sich der Arbeitsmarkt "verhältnismäßig robust".
Als Entlastung erweist sich dabei weiterhin die Kurzarbeit. Im September gab es laut BA insgesamt 1,074 Millionen Kurzarbeiter, darunter 1,056 Millionen aus konjunkturellen Gründen. Der Rückgang gegenüber dem Höchststand im Mai mit 1,516 Millionen konjunkturellen Kurzarbeitern führt die Bundesanstalt auf die Sommerferien zurück, da die Behörde für Urlaubszeiten kein Kurzarbeitergeld zahlt.
Bundesarbeitsministerin von der Leyen erklärte, die Arbeitsmarktzahlen seien besser als angesichts der immer noch verhaltenden Auftragslage für viele wichtige Branchen zu erwarten. Es erweise sich als große Stärke Deutschlands, "dass Arbeitgeber, Arbeitnehmer und Politik von Anfang an an einem Strang gezogen haben." Die stabile Entwicklung sei aber "keine Garantie für anhaltend gute Arbeitsmarktzahlen in den Wintermonaten."
Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt warnte davor, die Krise in Deutschland als überwunden anzusehen. 2010 werde ein "sehr schwieriges Jahr für den Arbeitsmarkt", erklärte Hundt. Deshalb sei die Entscheidung der Bundesregierung richtig, auch für im kommenden Jahr beginnende Kurzarbeit erleichterte Bedingungen vorzusehen.
Die Opposition forderte die Bundesregierung zu weiteren Anstrengungen auf. Die Verlängerung des Kurzarbeitergeldbezugs sei "notwendig, aber völlig unzureichend", erklärte die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Anette Kramme. Konsequent und richtig wäre eine gleichzeitige Verlängerung der Erstattung der Sozialversicherungsbeiträge.
Die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Linken, Sabine Zimmermann, forderte die Regierung auf, Maßnahmen gegen die Jugendarbeitslosigkeit zu ergreifen und die Alterszeit zu verlängern.
Die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Grünen, Brigitte Pothmer, kritisierte, nur dank "statistischer Kosmetik" könne die Bundesarbeitsministerin den schönen Schein wahren. Fakt bleibe, dass die Zahlen gestiegen seien und nur durch das Herausrechnen der nicht von der Bundesagentur betreuten Arbeitslosen das Ergebnis besser aussehe.
BA-Vorstand Raimund Becker sprach sich derweil für einen höheren Beitrag zur Arbeitslosenversicherung nach Ende der Wirtschaftskrise aus. Für die üblichen Schwankungen der Beschäftigung wünsche sich die Behörde einen "auskömmlichen Beitragssatz, mit dessen Hilfe wir in guten Zeiten Vorsorge für schlechte Zeiten treffen können", sagte Becker handelsblatt.com. Nach den Berechnungen der Bundesanstalt müsste "eine drei vor dem Komma stehen." Derzeit liegt der Beitrag bei 2,8 Prozent.
(c) AFP