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Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freundinnen und Freunde,
Ich bin beeindruckt! So viele Trecker sehe ich sonst nur auf Demonstrationen in meiner Heimat im Wendland. Dort demonstrieren die Bauern bereits in der dritten Generation gegen das geplante Endlager in Gorleben. Und als Bauerstochter weiß ich sehr genau: es muss schon dicke kommen, wenn Bauern als Demonstranten auf die Straße gehen.
Aber, wenn Sie erst auf die Straße gehen, dann ist mit ihnen nicht zu spaßen. Es ist nicht zu spaßen mit ihrer dickschädelig, unnachgiebig Art und ihrem langen Atem.
Ich weiß genau, eigentlich werden Sie und ihre Trecker heute dringend auf den Feldern gebraucht.
Aber, Sie sind hier, weil es um mehr geht als um diese Ernte. Sie fürchten um die Zukunft Ihrer Höfe. Die können sie nämlich nicht einfach unter den Arm nehmen und umziehen. Aber der Protest gegen die Megamasten ist ja nicht nur ein Bauernprotest. Eine ganze Region ist in Bewegung geraten.
Viele Familien sind hier, weil sie Angst vor nachhaltigen Gesundheitsschäden, insbesondere für ihrer Kinder haben. Menschen sehen sich in ihrer Lebensqualität beeinträchtigt, weil das Landschaftsbild zerstört werden soll. Außerdem fürchten Sie zu recht den Wertverlust Ihres Eigentums.
Mit anderen Worten: Sie wollen einfach keine Monstermasten in der Landschaft. Und Sie haben gute Gründe dafür. Ich unterstütze Sie uneingeschränkt in Ihrem Protest. Denn wir brauchen diese Masten nicht.
Es gibt eine Alternative:
Hochspannungsgleichstromleitungen als Erdverkabelung haben bestechende Umweltvorteile:
Anrede,
Ich will hier kein Missverständnis aufkommen lassen:
Ja, wir wollen den schnellen Ausbau regenerativer Energien, weil nur so der vollständige Ausstieg aus der Atomenergie und der Verzicht auf weitere Kohlekraftwerke möglich ist. Dazu brauchen wir den zügigen Ausbau eines europäischen HGÜ – Erdkabelnetzes. Aber das, was jetzt an Trassenvarianten auf dem Tisch liegt, ist eine echte Provokation. Die Netzbetreiber haben die gesetzlichen Vorgaben nicht nur ignoriert, sie haben sie geradezu konterkariert.
Wir werden uns nicht zu den Bütteln der Energieversorger machen lassen. Die vier großen Energieversorger haben sich die Republik quasi in vier Besatzungszonen aufgeteilt und verhalten sich wie Besatzungsmächte. Sie glauben die Politik kaufen zu können. Das werden wir nicht zulassen. Deshalb müssen wir die gesetzlichen Vorgaben strenger regeln. Möglicherweise muss das Energieeinleitungsgesetz geändert werden. Die Erdverkabelung muss als Ziel festgeschrieben werden.
Für mich stellt sich die Frage nach der Strategie der Energieunternehmen:
Die Akzeptanz der erneuerbaren Energien ist in unserer Gesellschaft bekanntlich sehr hoch.
Warum werden die Bürgerinnen und Bürger jetzt ganz bewusst vor vollkommen unzumutbare Fernleitungstrassen gestellt?
Warum wird der Widerstand der Bevölkerung geradezu angeheizt?
Warum werden die Kommunen in endlose juristische Auseinandersetzungen gezwungen?
Das unsinnige Festhalten an Freileitungen verzögert den erforderlichen Netzausbau.
Geht es in der Energiewirtschaft unter Umständen darum, regenerative Energien zu diskreditieren und doch noch längere Laufzeiten für Atomkraftwerke zu erzwingen? Wir werden Ihnen nicht auf den Leim gehen. Wir werden den Protest gegen Megamasten nicht gegen den Protest gegen längere Laufzeiten ausspielen lassen.
Wir sagen: Hochspannungsleitungen gehören unter die Erde!