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Fleischkonsum

10. Juni 2011

Fleisch-Fan McAllister beleidigt die Verbraucher

Artikel im Wortlaut übernommen aus der Neuen Osnabrücker Zeitung (10. Juni 2011):

"Sie beleidigen die Verbraucher"

Grünen-Abgeordnete Pothmer reagiert empört auf McAllisters Haltung zu Fleischverzehr

 

Von Hans Brinkmann

HANNOVER. Die Grünen-Bundestagsabgeordnete Brigitte Pothmer hat Ministerpräsident David McAllister (CDU) wegen dessen Eintretens für Fleischverzehr scharf kritisiert.

Der niedersächsiche Regierungschef hatte sich in einem Interview mit unserer Zeitung dagegen ausgesprochen, Menschen vorschreiben zu wollen, was sie essen dürften oder nicht. "Öko-Dirigismus nein danke! Die Deutschen sollten Fleisch essen, wie es ihnen passt, und nicht Claudia Roth (Grünen-Chefin, die Red.) um Erlaubnis bitten", hatte McAllister gesagt.

Darauf reagierte Pothmer nun in einem Brief an den Ministerpräsidenten empört. Sie nannte es unwahr, dass die Grünen sich dirigistisch gegen Fleischverzehr ausgesprochen hätten. Zugleich warf sie McAllister vor, hinter seinem Plädoyer für Fleischkonsum stecke die Haltung: "Weiter so mit der Massentierhaltung, mit Fleischbatzen, Schweinebergen, Hühnerfabriken, Chemie im Stall und Gentechnik im Futter".

"Sie ignorieren damit alle umwelt- und gesundheitspolitischen Erkenntnisse, diffamieren die Ratschläge der Ernährungswissenschaft, und Sie beleidigen die Verbraucher selbst", hielt die Politikerin aus Hildesheim dem Regierungschef vor.

Pothmer wies darauf hin, dass der jährliche Fleischkonsum des deutschen Durchschnittsbürgers heute bei gut 90 Kilo liege. Für ein gesamtes Menschenleben resultiere daraus der Verzehr von etwa 600 Hühnern, 22 Schweinen, 20 Schafen und sieben Rindern.

Abgesehen vom Aspekt, die Probleme für Umwelt und Gesundheit zu mildern, so die Grüne, „muss natürlich jeder Mensch ethisch und moralisch für sich beantworten, ob für ihn die Kreatur Tier im Wesentlichen als Schlachtvieh existiert“. McAllisters Aussage klinge dagegen eher wie „mein idealer Lebenszweck ist Borstenvieh und Schweinespeck“. Das komme vielleicht gut am Stammtisch an; die biblische Botschaft „macht euch die Erde untertan“ sei aber vermutlich anders gemeint, betonte die Bundestagsabgeordnete.

Pothmer unterstrich, die Empfehlung, den „eingefleischten Lebensstil“ zu überprüfen, habe nichts mit Dirigismus zu tun. McAllister müsse auch nicht die bange Sorge haben, dass Claudia Roth ihm seine tägliche Currywurst, den Big Mac oder das Eisbein untersage.

„Aber sie wird Ihnen – so wie ich auch – mit ein paar Rezepten aus dem qualitätsbewussten Kochbuch behilflich sein, den Horizont zu erweitern. Und dazu kann auch Fleisch gehören, muss es aber nicht“.

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