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24. August 2010

Fachkräftemangel: Eine Million zusätzliche Weiterbildungsmöglichkeiten – Lernen für Zukunftsberufe

Zur Debatte um den Fachkräftemangel erklären Priska Hinz, Sprecherin für Bildungspolitik und Brigitte Pothmer, Sprecherin für Arbeitsmarktpolitik:

Schon jetzt fehlen 35.000 Ingenieurinnen und Ingenieure. In den kommenden Jahren werden 300.000 zusätzliche Pflegekräfte benötigt. Das beschreibt nur einen Teil des dramatisch zunehmenden Fachkräftemangels in vielen Berufen. Gleichzeitig sind über drei Millionen Menschen arbeitslos.

Doch obwohl das Problem akut ist, bleibt die Bundesregierung tatenlos. Sage und schreibe drei Bundesminister - von der Leyen, Brüderle und de Maizière - arbeiten gleichzeitig und produzieren nichts außer Streit und Stillstand in Sachen Fachkräftemangel. Das ist eine armselige Vorstellung. Die jetzige Situation zeigt deutlich: Die Qualifizierung Einheimischer und Zuwanderung dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden. Wir brauchen beides und endlich die bessere Anerkennung von im Ausland erworbenen Bildungsabschlüssen. Das Festhalten an der bisherigen Strategie hilft weder den Arbeitslosen noch der Wirtschaft.

Um den Fachkräftenotstand zu beheben, die Arbeitslosigkeit zu bekämpfen und zukunftsfähige Beschäftigungsfelder zu erschließen, muss Weiterbildung auch in Deutschland ein fester Bestandteil der Erwerbsphase werden und gleichrangig in einer Reihe stehen mit frühkindlicher Bildung, Schulbildung und Berufsausbildung.

Mit dem grünen Weiterbildungskonzept "Lernen für Zukunftsberufe" sollen zusätzliche Weiterbildungsmöglichkeiten für eine Million Menschen bis zum Ende des Jahres 2013 geschaffen werden. Vor allem Geringqualifizierte sollen davon profitieren und fit für Zukunftsberufe werden. Das Motto heißt: Dazu lernen und weiter bilden – Deutschland braucht einen dritten Bildungsweg.

 Der Staat muss dazu stärkere Qualifizierungsanreize setzen. Wir setzen auf einen  Dreischritt aus "motivieren, informieren und qualifizieren", mit dem sowohl Menschen ohne Schul- und Berufsabschluss als auch Berufstätige und Arbeitslose angesprochen werden.

 Unsere Weiterbildungsinitiative umfasst insgesamt fünf Punkte:

-Umschulung und Qualifizierung für die Arbeit in Fachkräftemangelberufen wie zum Beispiel Krankenpflege, Altenpflege und Bildung.

-Qualifizierung von Beschäftigten, die nach Umstrukturierungen oder Insolvenzen ihrer Firmen in Auffang- und Transfergesellschaften tätig sind.

-Verstärkte Aufstiegsweiterbildung vor allem von Älteren, Geringqualifizierten, aber auch von Beschäftigen, die studieren wollen.

-Weiterbildungsberatung in regionalen Zentren, zum Beispiel angeschlossen an örtliche Verbraucherzentralen und eine bessere Unterstützung von kleinen und mittelständischen Unternehmen bei der Weiterbildung.

- Verbesserung der Qualität der Bildungsangebote, bei der Weiterbildung vor allem durch ein unbürokratisches Qualitätssicherungssystems.

Zudem fordern wir Erleichterungen beim Zuzug von Fachkräften.