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Grüner Kulturgipfel

29. Februar 2008

Für Kultur arbeiten – Von Kultur leben

Jan ObornikJan Obornik, Künstler und Vorsitzender des BBK Hildesheim, machte gleich zu Beginn deutlich: Die materielle Situation von Künstlerinnen und Künstler in Deutschland ist alles andere als rosig. Mit durchschnittlich 925 Euro Monatseinkommen sind Kulturschaffende von dem was derzeit als Mindestlohn diskutiert wird weit entfernt. Nur wenige schaffen es zu einem guten oder sogar sehr guten Einkommen. Es ist alles andere als leicht, von Kunst zu leben. Die meisten Künstlerinnen und Künstler können es sich beispielsweise schlicht nicht leisten, krank zu sein. "Ohne die Künstlersozialkasse geht es nicht, sie gilt unter Künstlern als heilig".

 

Kulturgipfel Brigitte WorkshopDas "Normalarbeitsverhältnis" ist in Deutschland auf dem Rückzug, so Brigitte Pothmer, arbeitsmarktpolitische Sprecherin der grünen Bundestagsfraktion. Neuregelungen im Bereich der sozialen Sicherungssysteme sollen daher so ausgestaltet sein, dass neben Kulturschaffenden auch alle Anderen profitieren, die atypisch arbeiten. Entsprechende Vorschläge der Grünen, beispielsweise für eine Brückengrundsicherung und flexiblere Regelungen für den Bezug von Arbeitslosengeld, liegen bereits vor.

 

Schnell wurde in der Diskussion mit SchauspielerInnen, FotografInnen, MalerInnen, SchriftstellerInnen, JournalistInnen und DesignerInnen deutlich: Zwar gilt für fast alle Künstlerinnen und Künstler, dass ihre Arbeitsbedingungen deutlich vom normalen Arbeitsalltag abweichen, aber auch zwischen den einzelnen Kultur-Sparten sind die Unterschiede groß. Auch von daher sollten sich künftige Neuregelungen an den generellen Problemen atypischer Arbeitsverhältnisse orientieren.

080229 Kulturgipfel

So bestand letztlich Einigkeit:

Kurzfristig muss sichergestellt sein, dass alle gesetzlichen Regelungen auch im Bereich Kunst und Kultur eingehalten werden. Das gilt beispielsweise dort, wo bisherige Angestelltenverhältnisse aufgelöst und zukünftig durch Selbständige erledigt werden sollen oder bei einer Vermittlung in so genannte 1-Euro-Jobs.

Mittelfristig müssen die sozialen Sicherungssysteme so verändert werden, dass all diejenigen, die nicht im Rahmen eines klassischen Normalarbeitsverhältnisses arbeiten, besser abgesichert sind.

  • Zukünftig sollen auch diejenigen Anspruch auf Arbeitslosengeld haben, die bisher wegen zu geringer Beitragszeiten ohne Leistungen geblieben sind.
  • Über eine Brückengrundsicherung sollen während eines befristeten Zeitraums LeistungsbezieherInnen in Eigenregie neue Projekte und Aufträge akquirieren können, ohne Teilnahme- und Nachweispflichten gegenüber den Arbeitsagenturen zu haben.
  • Für Selbständige muss es eine deutlich bessere soziale Absicherung geben.
  • Die Qualifizierung und Beratung von Künstlerinnen und Künstlern, insbesondere in ökonomischen Fragen, muss deutlich verbessert werden.

 

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