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2006 mussten fast 6,6 Millionen Beschäftigte im Niedriglohnsektor arbeiten. Nahezu 2 Millionen Menschen haben 2006 sogar für Bruttostundenlöhne unter 5 Euro gearbeitet. Von den Maßnahmen, die die Koalition nun verabschiedet hat, profitieren höchstens ein Viertel der fast 7 Millionen von Niedriglöhnen betroffenen Menschen. Das ist zu wenig.
Deutschland braucht eine generelle Lohnuntergrenze und die Möglichkeit für darüber liegende Branchenmindestlöhne in allen Branchen. Es reicht also nicht aus, dass das Arbeitnehmer-Entsendegesetz nur für weitere sechs Branchen geöffnet wird, um tarifliche Mindestlöhne allgemeinverbindlich zu machen. Nicht aufgenommen wurde die Zeitarbeit mit rund 700.000 Beschäftigten. Ohne Schutz bleiben auch hundertausende Beschäftigte in anderen Branchen wie der Gastronomie und der Fleischerei, die ebenfalls von Niedrigstlöhnen gefährdet sind oder bereits zu Dumpinglöhnen arbeiten. Die Bundesregierung hat die Chance verpasst, die Festsetzung von Mindestlöhnen über das Arbeitnehmer-Entsendegesetz für alle Branchen und auch für regionale Tarifverträge zu ermöglichen.
In den Gesetzentwürfen der Bundesregierung sind außerdem Bestimmungen enthalten, die den Schutz vor Niedrigstlöhnen in großem Umfang durchlöchern. Lohndumping bleibt weiterhin Tür und Tor geöffnet, da im Mindestarbeitsbedingungengesetz ein Vorrang für bestehende Tarifverträge vorgesehen ist. Damit wird die Friseurin in Sachsen auch weiterhin mit 3€ pro Stunde abgespeist. Im Entsendegesetz bekommt der Tarifausschuss eine Vetomöglichkeit. Die Spitzenorganisation der Arbeitgeber kann so tarifliche Mindestlöhne verhindern, die von den Sozialpartnern in der Branche vereinbart wurden.
Wir fordern, diese Löcher umgehend zu schliessen und einen zuverlässigen Schutz von Niedrigstlöhnen in Deutschland sicherzustellen. Dazu haben wir in Form von Änderungsanträgen zu den Gesetzentwürfen der Bundesregierung konkrete Vorschläge gemacht:
Wir meinen es Ernst mit dem Schutz vor Lohnarmut. Wenn die große Koalition ebenfalls ernsthaft am Schutz vor Lohndumping interessiert ist, muss sie die Falltüren und Löcher in ihren Gesetzentwürfen schließen und diesen Änderungen zustimmen.
Änderungsanträge der Grünen Bundestagsfraktion