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VON MICHAEL B. BERGER
Hannover. "Die jüngsten Meldungen über dreimal so hohe Plutoniummengen in der Asse haben bei mir das Fass zum Überlaufen gebracht", sagt Niedersachsens IG-Metall-Chef Hartmut Meine. Deshalb hat er zum Telefon gegriffen und seinen ver.di-Kollegen Siegfried Sauer sowie Bundes- und Landespolitiker zur Gründung einer Allianz aufgerufen, die Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) bald ein schwarz-gelbes Protestfass vor die Staatskanzlei rollen will. "Gegen Atomkraft" wird auf dem Fass stehen.
Gestern haben Meine, SPD-Landtagsfraktionschef Wolfgang Jüttner und die grüne Bundestagsabgeordnete Brigitte Pothmer das Bündnis vorgestellt, das Gorleben ebenso verhindern soll wie das Entstehen einer schwarzgelben Bundesregierung.
Seine spontan einberufene Aktion sei "nicht durch die Gewerkschaftsgremien gegangen", betonte Meine gestern. Aber man habe vor dem großen Gorleben- Treck, der heute in Berlin eintrifft, ein Zeichen setzen wollen. Meine wollte allerdings auch vor der Bundestagswahl ein Zeichen setzen – gegen CDU und FDP. "Während an den Börsen schon wieder Wetten auf eine Renaissance der Atomenergie nach der Bundestagswahl abgeschlossen werden, versinkt Niedersachsen im Atommüll", steht auf dem "Niedersachsenaufruf", den Meine und seine Mitstreiter verfasst haben. Der Gewerkschaftsvorsitzende forderte Christian Wulff auf, "endlich Konsequenzen aus dem Asse-Desaster" zu ziehen. "Dass ausgerechnet Niedersachsens Umweltminister Hans-Heinrich Sander Ersatzstandorte für Gorleben ausbrütet, halte ich für einen Skandal", sagte der Gewerkschaftsfunktionär.
Sander (FDP) hatte in einem missverständlichen Radiointerview erklärt, dass in den siebziger Jahren neben Gorleben auch andere Standorte in Niedersachsen in der Prüfung waren. Die grüne Bundestagsabgeordnete Pothmer wünscht sich, dass Unterstützer aus Kirchen, der Kunst sowie aus anderen Parteien zu der neuen Anti- Atom-Initiative stoßen: "Die Initiative soll bunter werden." Pothmer sagte, dass es eine klare gesellschaftliche Mehrheit für den Atomausstieg gebe.
SPD-Fraktionschef Jüttner zeigte sich "angenehm überrascht", dass das neue Bündnis den Kontakt zur SPD gesucht habe, während die Linken klagten, nicht von vorneherein eingebunden zu sein. Die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie und Energie, deren Vorsitzender Hubertus Schmoldt offener der Kernkraft gegenübersteht, wollte die Gründung der Initiative nicht kommentieren: "Das ist Sache von Privatpersonen." Für die Kernkraft sei im Übrigen die Gewerkschaft ver.di zuständig.
(c) Hannoversche Allgemeine Zeitung