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»Thüringer Allgemeine«

16. August 2010

»Frau von der Leyen rechnet Zahlen schön«

Brigitte Pothmer, Sozialexpertin der Grünen im Bundestag, spricht mit unserer Zeitung über den Renteneintritt mit 67. Sie hält eine längere Lebensarbeitszeit für nötig.
 
Sozialministerin Ursula von der Leyen verabschiedet sich von der Rente mit 70. Soll die Rente mit 67 so leichter erträglich gemacht werden?

Man kann schon den Eindruck gewinnen, dass die Diskussion über die Rente mit 70 funktionalisiert wird, um die Akzeptanz für die Rente mit 67 zu steigern.
 
Bei der Anhebung des Renteneintrittsalters wird immer an der Demografie entlang argumentiert. Doch was ist mit den zu verzeichnenden Produktivitätssteigerungen?

Produktionssteigerungen müssen natürlich berücksichtigt werden. Aber diese werden nicht ausreichen, den absehbaren Fachkräftemangel, der durch die demografische Entwicklung entsteht, aufzufangen. Auf die Dauer werden wir um eine Lebensarbeitszeitverlängerung nicht herumkommen.
 
Ministerin und SPD, die von der Rente mit 67 abrückt, argumentieren mit verschiedenen Zahlen. Was sagen die Unterschiede über die Debatte?

Laut Arbeitsagentur liegt der Anteil der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnisse bei den 60- bis 65-Jährigen bei 24,8 Prozent. Wenn Frau von der Leyen von 40 Prozent Erwerbsbeteiligung Älterer spricht, rechnet sie nicht nur Selbstständige und Beamte mit ein, sondern auch die Minijobber. Und die machen dabei den Löwenanteil aus. Das ist nicht akzeptabel. Frau von der Leyen sollte nicht die Zahlen schön rechnen, sondern sich stärker für die Erwerbstätigkeit Älterer engagieren.
 
Von welcher Zahl machen Sie die Zustimmung zur Rente mit 67 abhängig, wenn das Konzept im kommenden Jahr evaluiert werden soll?

Ich halte es für falsch, sich bereits jetzt auf eine Zahl festzulegen. Auch der Trend muss bei der Bewertung berücksichtigt werden. Denn die Rente mit 67 wird im vollen Umfang erst in 20 Jahren greifen.