Brigitte Pothmer, MdB

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20. Juni 2011

Grüne treten auf die Euphoriebremse

Foto Lüneburg ThumbPartei spürt Rückenwind – Bundestagsabgeordnete Brigitte Pothmer warnt vor Überheblichkeit

Artikel übernommen aus der Landeszeitung für die Lüneburger Heide:

st Lüneburg. Die Umfragewerte der Grünen schweben im Dauerhoch, die Mitgliederzahlen wachsen, und auch an der Wahlurne stellen sich Erfolge ein. Brigitte Pothmer registriert das mit Zufriedenheit. Und doch warnt die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion ihre Partei: „Den historischen Fehler der Überheblichkeit sollten wir der FDP überlassen.“

Im Mama Rosa in Lüneburg diskutierte sie jetzt mit Andreas Meihsies, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Rat, und Prof. Dr. Ferdinand Müller-Rommel, Leiter des Zentrums für Demokratieforschung an der Leuphana Universität Lüneburg. Das Thema: Wohin führt der Weg der Grünen?

Pothmers Position ist klar: Es geht aufwärts. „Wir werden sicher nicht auf diesem Hoch bleiben. Aber es ist keine Popularitätsblase, sondern eine kontinuierliche Entwicklung.“ Ihre Analyse: Einerseits haben sich die Grünen auf die Gesellschaft zubewegt, andererseits aber auch die Gesellschaft auf die Grünen.

Den Trend, dass jetzt andere Parteien grüne Themen kapern, sieht sie: „Aber das wünschen wir uns sogar. Wir haben den Atomausstieg nicht propagiert, um ein Thema zu haben, sondern weil die Atomkraft eine Gefahr für die Menschheit ist.“ Und sie ist sicher: „Im Zweifel wird das Original gewählt.“

Der Zuspruch stellt die Grünen aber vor Herausforderungen. Pothmer hat ein Diskussionspapier veröffentlicht über die Zukunft der Partei. Sie sagt: „Wir müssen die Parteistrukturen und den Parteiapparat besser ausbauen.“ Das gelte nicht nur in Berlin, sondern in den Landes- und Ortsverbänden.

Vor Ort fängt das mit ganz praktischen Problemen an, berichtet Claudia Schmidt, Vorstandssprecherin des Lüneburger Kreisverbandes: „Wir müssen größere Räume buchen und mehr Zeit für Sitzungen einplanen.“ Eine Eigenart der Partei will sie aber bei allem Wachstum erhalten: „Die grüne Diskussionkultur steht nicht zur Diskussion.“ Das sieht auch Pothmer so. Um diese Parteitradition weiterzutragen, schlägt sie vor, dass erfahrene Parteirecken eine Partnerschaft für Neulinge übernehmen.

Sollte am Ende eine grüne Volkspartei entstehen, hätte Pothmer mit dem Begriff kein Problem: „Denn vor dem Hintergrund von Stuttgart 21 sehe ich eine Volkspartei als eine Partei, die in der Lage ist, die Menschen zu beteiligen.“ Für sie ist das ein lohnendes Ziel.

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