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Langzeitarbeitslose

21. Juli 2011

In Fortbildung für Arbeitslose investieren

Foto NWZThema ThumbInterview im Wortlaut übernommen aus der Nordwest-Zeitung (21. Juli 2011):

ZUR SACHE - Das Thema: Langzeitarbeitslosigkeit

von Gunars Reichenbachs

FRAGE: Frau Pothmer, Wissenschaftler prophezeien glänzende Wirtschaftsdaten bis mindestens 2020. Sehen Sie einen Hoffnungsschimmer für Langzeitarbeitslose?

POTHMER: Grundsätzlich verbessern solche positiven Aussichten die Integration von Langzeitarbeitslosen in den ersten Arbeitsmarkt ganz deutlich. Aber das wird kein Selbstläufer. In diese Entwicklung muss investiert werden. Arbeitsministerin von der Leyen (CDU) macht aber gerade das Gegenteil. Sie plant Einsparungen in der aktiven Arbeitsmarktpolitik in Höhe von fast acht Milliarden Euro bis zum Jahr 2015. Das würde viele Langzeitarbeitslosen abkoppeln und ihre Chancen zerstören.

FRAGE: Was könnte man besser machen?

POTHMER: Jetzt ist die Stunde der Arbeitsmarktpolitik, jetzt muss sie zeigen, was sie kann. Es muss investiert werden in Bildung und Fortbildung. Arbeitslose müssen für die Jobs qualifiziert werden, die angeboten werden. Dann haben sie eine Chance, nachhaltig in den ersten Arbeitsmarkt integriert zu werden.

FRAGE: Gerade wurde ermittelt, dass die Nettolöhne besonders bei Geringverdienern in den letzten Jahren deutlich gesunken sind. Welches Risiko steckt darin?

POTHMER: Wir haben es längst schon mit einer doppelten Spaltung des Arbeitsmarktes zu tun. Auf der einen Seite gibt es eine Spaltung zwischen denjenigen, die fern vom Arbeitsmarkt sind, und den Gutqualifizierten, die jetzt wirklich hervorragende Chancen haben. Aber auch im Arbeitsmarkt selber existiert eine Spaltung. Die sogenannten Randbelegschaften, Geringqualifizierten sowie Leiharbeiter profitieren nicht vom Aufschwung und bleiben in prekären Lagen. Wenn das so weitergeht, dass diejenigen mit den geringsten Einkommen auch noch die größten Nettolohneinbußen hinnehmen müssen, dann ist die Gefahr sehr groß, dass die Akzeptanz für die soziale Marktwirtschaft schwindet. Es war das große Versprechen, dass dann, wenn es der Wirtschaft besser geht, auch die Löhne steigen. Wenn dieses Versprechen gebrochen wird, werden sich die Menschen abwenden.

FRAGE: Der Mindestlohn muss flächendeckend kommen?

POTHMER: Ja. Wir brauchen ein Programm gegen Lohnarmut mit flächendeckendem Mindestlohn, abgesenkten Sozialversicherungsbeiträgen für Geringverdiener sowie gleichem Lohn für gleiche Arbeit.

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