Brigitte Pothmer, MdB

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Lüchow-Dannenberg

15. August 2011

Besuch bei Zuther - Ohne Leiharbeiter "schon längst am Ende“

Am 12. August startete Brigitte Pothmer ihre diesjährige Sommertour beim Kreisverband der Grünen im Raum Lüchow-Dannenberg. Gemeinsam mit Elke Mundhenk und Martina Lammers machte sie Station bei den Firmen WZT Wendland-Zerspanungs-Technik GmbH in Hitzacker und Zuther GmbH Anlagenbau Fördertechnik in Dannenberg. Nach den informativen Betriebsbesichtigungen war das Thema Fachkräftemangel Mittelpunkt der Gespräche mit den Firmeninhabern Ralf Prahler / WZT und Michael Zuther. Die »Elbe Jeetzel Zeitung« berichtete ausführlich.

zuther

Hier der Artikel aus der »Elbe Jeetzel Zeitung« im Wortlaut

Ohne Leiharbeiter "schon längst am Ende“

Fachkräftemangel Thema von Pothmer-Besuch bei Zuther

Von Rouven Großrg Karwitz. Eigentlich, sagt Michael Zuther, hat er gar keine Zeit. "Der Laden brummt, und jetzt ist nicht nur Urlaubszeit. sondern auch Getreidernte, und wir haben wahnsinnig viel zu tun“, erzählt Zuther, der sich mit seinem Bruder die Leitung des gleichnamigen Maschinenbau-Unternehmens in Karwitz teilt. Doch für seinen Besuch nimmt er sich die Zeit, und das tue er auch "ausgesprochen gern“, lächelt er. Ihm gegenüber im Besprechungsraum sitzt Brigitte Pothmer, Grünen-Bundestagsabgeordnete und arbeitspolitische Sprecherin ihrer Fraktion – und geborene Lüchow-Dannenbergerin, auch wenn sie jetzt ihren Wahlkreis in Hildesheim und ihr Büro in Berlin hat. Nach Karwitz ist sie gekommen, um über ein Thema zu sprechen, dass vor allem in ländlichen Regionen wie Lüchow-Dannenberg zu einem immer größeren Problem wird: Fachkräftemangel.

80 Beschäftigte arbeiten bei Zuther und bauen Spezialmaschinen für die Landwirtschaft und den Straßenbau: Fördersysteme beispielsweise. "Uns fehlen extrem gut ausgebildete Fachkräfte“, erzählt Michael Zuther bei einem Rundgang durch die Fertigungshallen. Auf dem Arbeitsmarkt seien die Fachkräfte nicht zu bekommen, berichtet er. "Wir bilden daher selbst aus, jedes Jahr mindestens vier junge Leute“, aber damit sei das Problem nicht gelöst. Denn es werde auch immer problematischer, überhaupt geeignete Azubis zu finden: "Die schulische Ausbildung ist schlecht, die schulischen Grundlagen fehlen“, und generell seien für viele Jugendliche, die frisch aus der Schule kommen, Jobs, bei denen man "sich die Finger schmutzig macht, nicht so interessant“, glaubt Zuther.

Und das, obwohl man jedem eine Chance gebe, unabhängig vom Schulabschluss und den Noten. "Ob wir jemanden einstellen, machen wir nicht an Noten fest“, betont Michael Zuther. "Es geht darum, ob die Jugendlichen Talent haben und ob ihre Einstellung stimmt.“ Das sei ein guter Weg, sagt Brigitte Pothmer. Fast nirgendwo bekämen Hauptschüler heute noch eine Chance, und das sei "verheerend“. Deutschland könne es sich in Zeiten drohendem Fachkräftemangels "nicht erlauben, 17 Prozent eines jeden Jahrgangs abzuschreiben“ und in die Arbeitslosigkeit zu entlassen.

Und man dürfe nicht glauben, dass der Fachkräftemangel das Problem Arbeitslosigkeit beseitigen werde. "Es werden gut ausgebildete Fachkräfte gebraucht – und dazu müssen die Arbeitslosen von heute gemacht werden, durch Bildung, durch Qualifikation. Und das ist die Aufgabe der Agentur für Arbeit und der Kommunen“, betont Pothmer. "Wenn es einen Fachkräftemangel gibt, und hohe Arbeitslosigkeit, dann hat die Politik versagt.“ "Ohne Zeitarbeitsfirmen wären wir schon längst am Ende“, sagt Michael Zuther – und weiß, dass die Grünen der Zeitarbeit alles andere als positiv gegenüberstehen. "

Zumindest dann, wenn Unternehmen geringer bezahlte Leiharbeiter einsetzen, um Kosten zu sparen“, betont Brigitte Pothmer. Doch das sei bei Zuther nicht der Fall, erklärt Michael Zuther. "Wir setzen auf Leiharbeit, um Auftragsspitzen abzufangen.“ Natürlich würde man lieber "wieder zu guten alten, beruhigenden Festanstellung“ zurückkehren, sagt Zuther. Doch man wisse halt nie, wie lange so eine Auftragsspitze dauere, und der "doch recht restriktive deutsche Arbeitsnehmer-Kündigungsschutz lässt einen vor zusätzlichen Festanstellungen dann zurückschrecken“.

Leiharbeit sei "einfach nur nötig, nicht schön“, weiß Michael Zuther: "Ab einer Leiharbeiterquote von 25 Prozent leiden nämlich die Qualität und auch die Effektivität.“

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