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Artikel im Wortlaut übernommen aus der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (20.10.2011):
Weniger Langzeitarbeitslose
enn. BERLIN, 19. Oktober. Zum ersten Mal seit Einführung von Hartz IV im Jahr 2005 ist die Zahl der Langzeitarbeitslosen auf weniger als zwei Millionen gesunken. „Aktuell ist die Lage der Arbeitslosen in Hartz IV so erfreulich wie nie", sagte das Vorstandsmitglied der Bundesagentur für Arbeit, Heinrich Alt. Mit einer neuen Kampagne will die Bundesagentur die Wirtschaft jetzt verstärkt zur Einstellung Langzeitarbeitsloser bewegen - auch um so dem zunehmenden Mangel von Fachkräften entgegenzuwirken.
Alt sagte am Mittwoch in Berlin, unter den knapp zwei Millionen erwerbsfähigen Hartz-IV-Empfängern gebe es 690.000 mit abgeschlossener Ausbildung. Diesen Menschen müssten die Arbeitgeber eine Chance geben, sagte Alt. Fachkräfte würden in der Pflege, im Handwerk, in Dienstleistungsberufen und in der Gastronomie dringend gesucht; dort seien 385.000 Stellen unbesetzt. Die Arbeitgeber sollten ihre Vorbehalte gegen Langzeitarbeitslose abbauen und ihnen mehr Zeit zur Bewährung zugestehen. Jährlich werden etwa eine Million Hartz-IV-Empfänger vermittelt, davon fällt nach Angaben der Bundesagentur die Hälfte binnen eines Jahres in staatliche Unterstützung zurück. Diese Quote soll mit der Kampagne „Ich bin gut" vermindert werden.
Die Grünen-Politikerin Brigitte Pothmer hieß die Bemühung gut, bei den Unternehmen für Langzeitarbeitslose zu werben. Allerdings reiche eine „Kampagne für die Fitten" nicht, notwendig seien auch Investitionen in Qualifizierung für jene, die noch nicht so weit seien. Doch hier habe Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) die Mittel radikal zusammengestrichen. „Dieser Kardinalfehler muss im anstehenden Vermittlungsverfahren revidiert werden", verlangte Pothmer. Fast 1,3 Millionen Arbeitslose hätten keine Berufsausbildung. Das seien mehr als 43 Prozent der Arbeitslosen.
Derweil arbeiten in Deutschland immer mehr Menschen in Teilzeit. Von 2000 bis 2010 nahm ihre Zahl um 43 Prozent zu, wie eine jetzt veröffentlichte Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) ergab. Danach verringerte sich die Zahl der Vollzeitbeschäftigten in der Zeit zwar um 700.000, aber die Zahl der Teilzeitarbeiter stieg um mehr als drei Millionen auf gut zehn Millionen. Dabei würden etwa zwei Millionen Teilzeitbeschäftigte lieber Vollzeit arbeiten, berichtet das DIW.