Springe direkt zu: Contentbereich, Hauptnavigation, Suche
Sie sind hier:
Hildesheim (ska). "Schade für uns, gut für Jana", findet Raphael Schanz, Pressesprecher des Jugendforums. Er bedauert, dass Jana Wulff-Troeger bald nicht mehr an den Sitzungen des Jugendforums teilnehmen kann. Aber dafür hat die 15-jährige Vorsitzende einen guten Grund. Ab August darf sie ein Jahr lang in den USA Highschool-Luft schnuppern.
Janas Terminkalender ist immer voll. Bis vor Kurzem schrieb sie für die Schülerzeitung des Goethe-Gymnasiums. Sie gehört sogar zu den Gründungsmitgliedern. In den Pausen verkauft sie in der "Hefte-AG" Schulhefte von Greenpeace. Sie spielt Gitarre und Volleyball. Seit mehr als einem Jahr ist sie im Vorstand des Jugendforums aktiv, wurde zur Vorsitzenden des Jugendparlamentes gewählt.
Jana war eine der ersten, die im August 2006 in die Vorbereitungsgruppe des Jugendforums kam. Inzwischen zählt es 37 Mitglieder, davon sind 15 im Parlament und acht im Vorstand. "Wir wollen Hildesheim für die Jugendlichen attraktiver machen", sagt Jana. So steht es auch in der Satzung, die die Mitglieder selbst ausgearbeitet haben. "Dahinter steckte viel Arbeit", berichten die Vorstandsmitglieder. Da gebe es auch mal die ein oder andere heiße Diskussion.
Handfeste Ergebnisse oder Veränderungen hat das Jugendforum noch nicht hervorgebracht. Das sehen die Mitglieder jedoch gelassen. "Nach außen hin geht es vielleicht nur langsam voran", sagt Stefanie Raupricht, die ebenfalls Vorstandsmitglied ist. Man müsse aber bedenken, dass das Forum alles aus eigener Kraft vorbereiten müsse. "In anderen Städten ziehen hinter den Jugendforen oftmals hauptamtliche Sozialarbeiter die Fäden", erläutert Raphael Schanz. Dass es diese Struktur hier nicht gebe, will er aber nicht kritisieren.
Aktuell bereitet eine Arbeitsgruppe das erste große Projekt des Forums vor. Im Herbst soll es an einer Hildesheimer Schule ein Konzert mit fünf Bands aus der Region geben. "Damit bieten wir den Schülern etwas, machen aber gleichzeitig auf das Jugendforum aufmerksam", sagt Jana. Was viele noch nicht wüssten: Seit Kurzem ist das Forum beratendes Mitglied im Jugendhilfe- und Sozialausschusses. Zweimal haben sie bis jetzt an einer Ausschusssitzung teilgenommen, sogar ein Konzept für einen Spielplatz vorgestellt. Für die Jugendlichen sei das eine gute Möglichkeit zu verstehen, wie Kommunalpolitik funktionert. Bei langen Sitzungen sei manchmal auch Durchhaltevermögen gefragt.
Ausdauer ist für Jana kein Fremdwort. Deshalb hat sie sich zum zweiten Mal beim Parlamentarischen Patenschaftsprogramm der Bundesregierung beworben – mit Erfolg. Mit 13 Jahren hatte sie es schon einmal probiert. "Da war ich vielleicht noch zu jung", vermutet sie. Die Stipendiaten werden von den Bundestagsabgeordneten eines jeden Wahlkreises ausgewählt. Sie betreuen abwechselnd die Bewerber.
In diesem Jahr fällte die Grünen-Politikerin Brigitte Pothmer die Entscheidung. "Auslandsaufenthalte machen einen wichtigen Schritt im Leben eines jungen Menschen aus", sagt Pothmer. Dazu gehöre eine gewisse Selbstständigkeit und persönliche Stabilität. Bei einem Treffen lernte sie fünf Bewerber kennen, die aus Hildesheim in die engere Auswahl kamen. Dass Jana die Richtige für das Stipendium ist, davon ist Pothmer fest überzeugt. "Jana ist eine junge Frau, die neugierig und selbstbewusst durch das Leben stapft", sagt die Politikerin.
Wohin genau die Reise für Jana im August geht, steht noch nicht fest. Das sei ihr auch egal. "Es kommt eher darauf an, sich mit der Gastfamilie gut zu verstehen", sagt die Schülerin. Mit dem Aufenthalt in Amerika möchte sie sich selbst herausfordern. "Ich setze mich gerne mit anderen Kulturen auseinander." Den Mitgliedern des Jugendforums will sie von ihren Erfahrungen und Erlebnissen in den USA berichten. Auch aus politischer Sicht: "Ich bin schon sehr gespannt, den Wahlkampf live zu erleben."
Quelle: Hildesheimer Allgemeine Zeitung