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Über die Zukunft von Kohle und Atom und die Chancen Erneuerbarer Energien für den Klimaschutz ging es an diesem Abend im Gespräch der beiden Energieexperten Hans-Josef Fell, Sprecher für Energie und Technologie der grünen Bundestagsfraktion sowie Michael Bosse-Arbogast, Geschäftsführer der EVI Energieversorgung Hildesheim GmbH & Co.KG. Ca. fünfzig interessierte Gäste beteiligten sich mit ihren Fragen an dem Gespräch, zu dem die Bundestagsabgeordnete Brigitte Pothmer eingeladen hatte.
Dank des Erneuerbare-Energien-Gesetzes zeigt sich schon jetzt in Deutschland in kürzester Zeit eine von vielen Zweiflern niemals für möglich gehaltene industrielle Entwicklung für Solarzellen, Windkraft und Biogas. Viele neue Produktionsstätten und Hunderttausende Arbeitsplätze wachsen gleichzeitig mit dem Sinken von CO2-Emissionen und dem Sinken der Preise für erneuerbare Energie (EE). Dennoch warnte der grüne Energieexperte Fell: "Ich erwarte eine Stromlücke, wenn wir die Chancen, die in den EE liegen, nicht nutzen und weiterhin in Atom investieren".
Im Frühjahr dieses Jahres erschien eine Studie der Deutschen Energie-Agentur (dena), deren Kernaussage lautet, dass die Stromversorgung in Deutschland ohne Kohlekraftwerke und ohne Stopp des Atomausstiegs auf mittlere Sicht gefährdet ist. Seitdem verschärfen die Energiekonzerne (von denen die besagte Studie zu einem beachtlichen Teil finanziert wurde) ihre Forderungen nach Verlängerung der Restlaufzeiten für AKW und dem Neubau von Kohlemeilern. Zugleich preisen sie den Atomstrom als sicher, klimafreundlich und preiswert und versprechen für die Verstromung von Kohle neue umweltschonende Technologien.
Gemeinsam mit Bürgerinitiativen, Umweltschutzverbänden und anderen Energieexperten argumentieren die Grünen gegen die Annahmen der dena-Studie und sprechen von einer "Stromlücken-Lüge". "Weder die Lebensdauer der fossilen Kraftwerke, noch das Potenzial der Erneuerbaren Energien sind seriös benannt", sagte die Gastgeberin Brigitte Pothmer. "Atomkraft birgt weiterhin das höchste Gefahrenpotenzial und ist in Anrechnung der Gesamtkosten keinesfalls billig, ganz zu schweigen von dem Problem der Atommüllendlagerung, das immer noch ungeklärt ist."
Einigkeit bestand darin, dass von Seiten der Bundesregierung mehr getan werden muss, wenn die Klimaziele erreicht werden sollen. Hier seien auch die Bürgerinnen und Bürger gefragt und auch das regionale bzw. kommunale Engagement. In diesem Zusammenhang zählte Michael Bosse-Arbogast auf, was von Seiten der EVI unternommen wird, um die Nutzung Erneuerbarer Energien auch in Hildesheim zu intensivieren. "Wir haben Interesse an EE. Allerdings weiß ich noch nicht, wie wir die Klimaziele erreichen werden." Der Geschäftsführer der EVI geht davon aus, dass die Stromlücke nicht mit EE in den Griff zu bekommen ist und hofft auf Unternehmen, die Geld in die Forschung stecken. Der Grünen-Energieexperte ist da wesentlich optimistischer. Die konventionellen Energieressourcen seien schon heute knapp und würden immer teurer. Anders die Ressourcen aus EE. Sie seien "faktisch unerschöpflich" und stünden bis auf die Biomasse kostenlos zur Verfügung.
Die anschließende Diskussion mit dem Publikum ergänzte das Podiumsgespräch. So wurden die Bereiche der Entsorgung, der Erdverkabelung, der Energiepreise und auch die Probleme des internationalen Stromeinkaufs thematisiert. Abschließend bedankte sich Brigitte Pothmer bei ihren Podiumsgästen. " Sie haben beide Ihre Standpunkte engagiert präsentiert. Allerdings sind wir noch immer bei den Glaubenssätzen stehen geblieben. Ich wünsche mir und uns allen, dass die zukünftige Energiepolitik kein Notprogramm sein wird, sondern ein Aufbruch zu neuen Ufern!"

THEMEMSPECIAL der grünen Bundestagsfraktion