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Hildesheim/Bültum (jus). Wenn USAmerikaner Eric Bowron Deutsch spricht, ist kaum zu glauben, dass der 19-Jährige erst seit drei Monaten in Deutschland lebt. Fließend und beinahe akzentfrei erzählt der junge Mann von seinem neuen Alltag fern der Heimat.

Als Geschenk hat Brigitte Pothmer (Zweite von links) dem Amerikaner Eric Bowron (Zweiter von rechts) einen Comic überreicht. Gastmutter Ina Zander (rechts) und Gastbruder Simon freuen sich.
Ein Jahr lang wird Bowron in Bültum bei Bockenem wohnen und die elfte Klasse am Josephinum besuchen. Ermöglicht wurde dies dem 19-Jährigen durch das Parlamentarische Patenschafts-Programm (PPP). Das im Jahr 1983 vom US-Kongress und dem Deutschen Bundestag ins Leben gerufene Austauschprogramm bietet Schülern, Auszubildenden und jungen Berufstätigen aus Deutschland und den USA Stipendien an. Die Patenschaft für die Jugendlichen übernehmen stets Politiker – in Bowrons Fall ist dies die Bundestags-abgeordnete der Grünen, Brigitte Pothmer. In ihrem Wahlkreisbüro in der Jakobistraße hat sie ihren Schützling nun begrüßt und wird ihn in den kommenden Monaten immer wieder begleiten. "Dieses Programm bringt Menschen unterschiedlicher Nationen zusammen und stößt Prozesse an, die kein Staat organisieren könnte", sagt Pothmer.
Bowron stammt aus Albert Lea im US-Bundesstaat Minnesota. 18 000 Einwohner leben dort. Eine besonders reiche Stadt sei Albert Lea nicht, so der 19-Jährige, der gerade die High School abgeschlossen hat. Umso so mehr freue ihn, dass ihm das Patenschafts-Programm den Europa-Trip ermöglicht hat.
Im August 2007 war Bowron im Internet auf das Austauschprogramm aufmerksam geworden. Nach einer siebenmonatigen Bewerbungsprozedur stand fest: Der Amerikaner würde für ein Jahr bei Familie Zander in Bültum leben. Eine gute Wahl, finden der 19-Jährige und Gastmutter Ina Zander: "Besser hätten wir es gar nicht treffen können." Schon länger hatten ihr Mann Uwe und sie überlegt, einen Gastschüler bei sich aufzunehmen.
"Zwei unserer drei Kinder, Isabell und Simon, waren ebenfalls für ein Jahr in den USA – da wollten wir was zurückgeben." Von dem Gastbruder profitiert vor allem der 17-jährige Simon. "Ich spreche meistens Englisch mit Eric und er antwortet auf Deutsch – so lernen wir beide etwas", erklärt er. Bis Juli 2009 bleibt Bowron noch in der Region. Für die kommenden Monate hat er sich viel vorgenommen: Reisen nach Paris, Budapest, Leipzig und Berlin sind geplant. Im kleinen Deutschland seien die Entfernungen nicht so groß. "Nach wenigen Stunden Busfahrt ist man schon in einem ganz anderen Land", meint er. In seiner Heimat sei er nach sechs Stunden im Bus gerade mal im Nachbarstaat Wisconsin.
Quelle: Hildesheimer Allgemeine Zeitung
Text und Foto: Seiffert
Ein Austausch geht bekanntlich nicht nur in eine Richtung. Über das gleiche Patenschafts-Programm reiste die junge Hildesheimerin Jana Wulff-Tröger für ein Jahr in den USA (Chicago). Über Ihre Erlebnisse schreibt sie in einem Lesetagebuch.