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14. August 2009

"So wird Politik greifbar"

Hiaz Diskussion Josephinum
Foto: Hildesheimer Allg. Zeitung

Von Politikverdrossenheit ist unter den Oberstufenschülern des Josephinums an diesem Mittag wenig zu spüren. Knapp 150 Schüler sitzen still auf ihren Stühlen im Pausenraum der Schule und lauschen aufmerksam den Äußerungen von Eckart von Klaeden (CDU), Bernhard Brinkmann (SPD), Brigitte Pothmer (Die Grünen), Dr. Bernd Fell (FDP) und Michael Huffer (Die Linke).

"Die meisten von uns wählen zum ersten Mal und kennen die Kandidaten gar nicht", erklärt Schüler Anselm Derda. Das solle sich durch die Podiumsdiskussion ändern, ergänzt sein Mitschüler Jens Niemann. Die Gymnasiasten hatten mehrere Fragen zu den Bereichen Außen-, Energie- und Wirtschaftspolitik vorbereitet.

In Zeiten der Wirtschaftskrise sorgte gerade Letzteres für Zündstoff – allen voran das Versprechen des SPD-Kanzlerkandidaten Frank-Walter Steinmeier, bis zum Jahr 2020 Vollbeschäftigung zu erreichen. "Bei unserem Regierungsantritt gab es 5,4 Millionen Arbeitslose, jetzt im Sommer waren es noch 2,6 Millionen", stellt Bernhard Brinkmann fest. Dem widerspricht Michael Huffer: "Diese Zahlen sind doch geschönt – wir schätzen, dass es fünf Millionen Arbeitslose gibt", sagt der Kandidat der Linken.

Heftig diskutiert wird auch die Frage, ob Atomkraftwerke abgeschaltet werden sollten. "Atomkraftwerke liefern etwa 30 Prozent unserer Energie – die können wir durch erneuerbare Energien problemlos ersetzen", macht Brigitte Pothmer deutlich. Der CDU-Politiker Eckart von Klaeden kann dem nicht zustimmen: "Solche Versprechen sind unseriös, als Übergangslösung ist

Kernenergie unverzichtbar." Pothmer kontert: Es gehe ja auch nicht um einen sofortigen Ausstieg, sondern um einen geordneten Rückzug.

Zu guter Letzt darf das Thema "Wahlen" nicht fehlen. "Wie können Sie verhindern, dass Bürger ihre Stimme bei der Wahl verweigern?", wollen die Schüler wissen. "Wir müssen deutlich machen, dass Politik nicht nur von Berufspolitikern, sondern von jedem gemacht werden kann", antwortet Bernd Fell. Eine radikalere Idee liefert Michael Huffer: "Ich plädiere für ein Gesetz gegen Wählerbetrug: Wer vor der Wahl bewusst die Unwahrheit sagt, gehört nach der Wahl vor Gericht." Dafür erntet er lautes Gemurmel aus dem jungen Publikum. "Wie wollen Sie denn beweisen, dass jemand bewusst getäuscht hat?" ruft ein Schüler in den Raum. Eine konkrete Antwort darauf gibt Huffer nicht.

Eineinhalb Stunden später scheint das Interesse an Politik tatsächlich bei einigen Schülern geweckt worden zu sein. "Ich kam mit der Erwartung, dass das hier langweilig wird – und wurde dann überrascht", sagt der 18-jährige Lukas Schrader. "So wird Politik endlich einmal greifbar."

(c) Hildesheimer Allg. Zeitung

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