Die Sorgen der Menschen immer im Blick
Grünen-Politikerin Brigitte Pothmer kümmert sich um Arbeitsmarkt und Soziales

Grünen-Politikerin Brigitte Pothmer - BILD: Norbert Wahn
Das politische Engagement der 55-Jährigen begann bei Protestaktionen im Wendland und in der Frauenbewegung. Privat ist die Bundestagsabgeordnete eine rot-grüne "Koalition" eingegangen. von Norbert Wahn,Redaktion BerlinBerlin - Brigitte Pothmer hat sehr früh gelernt, selbstständig zu werden. Aufgewachsen auf dem elterlichen Bauernhof im Landkreis Lüchow-Dannenberg, erschien ihr die Landwirtschaft nicht als berufliche Perspektive. Sie wollte die Fachoberschule besuchen und musste mangels Angebot in der Region schon als Jugendliche allein nach Hamburg ziehen. Mit der Fachhochschulreife in der Tasche sollten weitere Herausforderungen folgen. Ins Wendland zurück kam sie dann immer wieder – zu Besuch; "und zu den Protesten gegen die Strahlengefahr".
Sie ist nie nach Lüchow zurückgezogen. Aber die Probleme der Region, die Sorgen der Menschen beschäftigen sie heute genauso wie damals. "Die Politik wollte den Landkreis zum Atomklo machen, das hat mich politisiert. Ich begann, mich zu engagieren", erinnert sich die 55-Jährige. Einer Partei beizutreten, kam ihr damals noch gar nicht in den Sinn.
Ab 1980 steht das Studium der Sozialpädagogik und Sozialarbeit an der Fachhochschule Hildesheim/Holzminden im Mittelpunkt. Und hier beginnt Pothmer endgültig, politisch zu denken und zu handeln. Während des Studiums ist sie Mitglied im ASTA und in der akademischen Selbstverwaltung. Ansonsten weckt die Frauenbewegung ihr Interesse und nimmt viel Raum ihres Lebens ein. Dem Studium folgt der Arbeitsalltag in der Jugend- und Erwachsenenbildung und als stellvertretende Leiterin der Ev. Familienbildungsstätte in Hildesheim.
1990 der Wechsel. Pothmer wird Frauenreferentin (bis 1994) der niedersächsischen Grünen-Landtagsfraktion. "Mir hat die Offenheit gefallen, eingestellt zu werden, ohne zunächst Mitglied der Grünen zu sein. Aber mir hat auch imponiert, wie die Abgeordneten und ihre Mitarbeiter sich für die Ziele der grünen Politik eingesetzt haben. Das war überzeugend", beschreibt Pothmer diesen Schritt. Parallel dazu nimmt sie ein Studium der Sozialpsychologie auf.
1994 beginnt die politische Karriere. Sie kandidiert für den Landtag, wird Abgeordnete. "Ich bin als Außenseiterin gestartet auf einem nicht aussichtsreichen Listenplatz." Bis 2003 macht sie Politik in Hannover, wird stellvertretende Fraktionsvorsitzende und sozialpolitische Sprecherin. Das Rotationsprinzip der Grünen kippt Pothmer nach zwei Legislaturperioden aus dem Landtag, aber nicht aus dem politischen Engagement. Sie wird zur Landesvorsitzenden gewählt (bis 2005) und hat in dieser Zeit "Spaß an der Aufgabe der Kümmerin gefunden" und daran, "an der großen politischen Linie mitzuarbeiten".
Brigitte Pothmer sucht aber auch "nach so vielen Jahren der Landespolitik" neue Aufgaben und will ihre Handlungsspielräume ausweiten. Sie kandidiert 2005 erfolgreich für den Bundestag und wird 2009 erneut gewählt. Arbeitsmarktpolitik und soziale Gerechtigkeit sind ihre Schwerpunkte in Berlin. Ihr Engagement gilt dem Kampf gegen Arbeitslosigkeit und Niedriglöhne. Sie gehört dem Ausschuss für Arbeit und Soziales an, ist arbeitsmarktpolitische Sprecherin ihrer Fraktion.
Den "lila Faden" hat sie nie verloren. Vor allem in ihrem Wahlkreis kümmert sich die Politikerin um die Belange von Frauen. Privat ist sie eine rot-grüne "Koalition" eingegangen: Sie ist mit einem Sozialdemokraten verheiratet.
Artikel im Wortlaut aus der NWZ