Brigitte Pothmer, MdB

Springe direkt zu: ContentbereichHauptnavigationSuche


Logo der BundestagsfraktionSeitenkopf Pothmer.de

ServiceNavigation


Suche


Hauptnavigation


Sie sind hier:

 
  1. Startseite
  2. Wahlkreis 
  3.  Standard

7. Juni 2010

»Bunt statt braun« - Friedlicher Protest gegen den Nazi-Aufmarsch

Handeln gegen Rechts statt wegsehen - über 4000 Menschen aller Generationen demonstierten in Hildesheim friedlich und engagiert gegen den Aufmarsch der Rechten in der Nordstadt: Bunt statt Braun - für Demokratie und Zivilcourage gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus.  Nachfolgend der Artikel aus der »Hildesheimer Allgemeinen Zeitung« im Wortlaut.

Ihr Browser unterstützt kein JavaScript oder JavaScript ist deaktiviert.


Der Artikel aus der »Hildesheimer Allgemeinen Zeitung« im Wortlaut.

Friedlicher Protest gegen den Aufmarsch

demo_buntstattbraun

Hildesheim (ph). Eine Schülerin machte die Teilnehmer der Kundgebung gegen rechts nachdenklich, das Verhalten der Stadt verärgerte: 2500 bis 4000 Menschen aller Generationen haben friedlich aber deutlich gegen den Aufmarsch der Rechten in der Nordstadt protestiert. Mehr Rechtsextreme als erwartet waren nach Hildesheim gekommen.

Friedlich und besonnen so lautet die Bilanz eines besonderen Tages in Hildesheim. Mehrere tausend Menschen demonstrierten in der City überwältigend gegen den Aufmarsch von rund 600 Neonazis in der Nordstadt – begleitet von 2000 Polizeibeamten.

Hildesheim (ph). „Sie können sich gern noch einreihen“, ruft Thilo Jahn den beiden älteren Leuten am Straßenrand zu, denn er gerade ein Flugblatt in die Handgedrückt hat. Ein paar Minuten später sieht man sich am Theater wieder. Die beiden haben sich eingereiht, so wie mehrere tausend Hildesheimer protestieren sie gegen den Aufmarsch der Rechten in ihrer Stadt. Der Protest hat schon am frühen Morgen begonnen: Vor der Martin-Luther-Kirche und mit dem geradezu wegweisenden Satz: „Der Friede sei mit euch“, den Diakon Wilfried Otto und Pastor Reinhard Kiparski sprechen. Viele Gottesdienstbesucher sprechen von Problemem bei der Anfahrt: Die Nordstadt ist abgeriegelt.

Zwischen 4000 (Schätzung der Veranstalter) und 2500 (Polizei) Menschen versammeln sich bei strahlendem Wetter auf dem Angoulêmeplatz. „Das ist die Mitte unserer Gesellschaft“, sagt ein Hildesheimer Polizeibeamter. Man kennt sich. Gewerkschafter sind da, Leute aus den Kirchen, aus der Kommunalpolitik. Die frühere Landrätin Ingrid Baule ist gekommen, der langjährige ÖTV-Mann Klaus Aleith, die Bundestagsabgeordneten Brigitte Pothmer und Bernhard Brinkmann, die Dezernenten Kay Brummer und Dirk Schröder.

Diese beiden hören sich massive Kritik an der Stadtverwaltung an. Die hatte nicht nur den Aufmarsch der Rechten in der Nordstadt genehmigt, sondern auch den Gegendemonstranten Auflagen gemacht,unter anderem den Weg über die Bahnhofsrandstraße verboten. „Gegen dieses Hildesheimer Landrecht werden wir juristisch und politisch vorgehen“, sagt Sebastian Wertmüller vom DGB.

Von einem „guten Zeichen“ spricht Superintendent Helmut Aßmann angesichts der vielen Menschen auf dem Platz. Klaus Schäfer bittet die nächste Rednerin, wegender leisen Lautsprecheranlage etwas lauter zu sprechen. Nicht nötig. „Es ist toll, dass wir so viele sind“, klingt es laut und glasklar aus dem Lautsprecher. Franca-Rosa von Sobbe ist zwar erst 18, hat aber Erfahrung in Sachen Politik. Siefragt, warum es weder Schule noch Gewerkschaftgelungen sei, die Brüder Riefling(Veranstalter des rechten Aufmarsches)für eine humanistische Gesellschaftzu gewinnen. Sie fragt nach Ursachenund Möglichkeiten, den jugendlichenRechten Alternativen zu bieten.

Vorgestern am Abend hat sie ihre Redegeschrieben, für die sie viel Applaus und Zustimmung bekommt. Beim Frühstück zu Hause hat sie ihren Vortrag eingeübt. Möchte sie einmal Politikerin werden? „Eher nicht. Ich will immer selbst entscheiden, für welche Themen ich mich einsetze.“ Warum gegen rechts? „Es gibt eine große Gefahr für die Demokratie. Viele Menschen suchen nach Orientierung. Die Neonazis holen die Menschen da ab.“ Heute kämpft sie daher gegen rechte Parolen in Hildesheim, wie die anderen Demonstranten auch. Wie Regina Stolte vom DGB, wie Klaus Schäfer von den Grünen und Andreas Blechner von der IG Metall. „Ein Land, das für Treblinka und Auschwitz verantwortlich war, darf sich so eine Partei nicht erlauben“, sagt der und meint die NPD.

„Diese Demonstranten kommen mittenaus unserer Gesellschaft“, stellt ein Polizeibeamteraus Hildesheim fest. Ihm fälltauf, dass vor allem auch viele Ältere vertretensind, die man nicht jeden Tag aufDemonstrationen sieht. Alle bewegen sichlangsam in Richtung Stadttheater.

Die uniformierten Polizeibeamten gehenals Reihe vorweg und eskortieren denZug auch an beiden Seiten, zumindest aufden ersten Metern. Eine Taktik, die manin Hildesheim bisher nicht so kennt. Polit-Profi Henning Sonnenberg (Grüne):„Was soll diese massive Polizeipräsenz?“Auch er vermutet, dass dahinter Unsicherheitsteckt angesichts „der fehlendendeutlichen Positionierung der Stadtspitze.“

Vor dem Theater spricht nur kurz Wolf-Georg von Eickstedt von der Jüdischen Gemeinde. Neonazis hätten speziell in Hildesheim nichts zu suchen, wo die Vertreter vieler Religionen friedlich zusammenarbeiten, sagt er. „Das alles ist sehr traurig, aber es ist toll, dass Sie alle da sind“, meint Dilek Boyou, Integrationslotsin in der Stadt. Dann drängt Regina Stolte zum Aufbruch. Zehn Minuten haben etwaige Interessenten nämlich noch die Möglichkeit, am Mittagsgebet zum Michaelisfest auf dem Markt teilzunehmen. Eine überwiegend weiß gekleidete Menge setzt sich in Bewegung. Und sie nimmt eine akustische Botschaft mit in Richtung Rathaus. „Wo ist Kurt?“ skandieren die Demonstrationsteilnehmer vor dem Theater minutenlang.

Auch sonst haben die Demonstranten viel Phantasie in ihren Protest gesteckt. „Probiert mal Döner, ihr Spießer“ ist auf einem selbst gemalten Transparent zu sehen. Auf Aufklebern kann man lesen, dass man das Wort „Nazi-Aufmärsche“auch mal ganz bewusst falsch trennen kann.

demo_buntstattbraun

Gegendemonstration: Ein breites Spektrum von Initiativen und einzelnen Bürgern demonstrierte auf dem Angoulêmeplatz und in der Stadt gegen den Neonazi-Aufmarsch. Fotos: Hartmann

 

 

Meinungen zum Protest gegen den Neo-Nazi-Aufmarsch

Franca-Rosavon Sobbe (Schülersprecherin der RBG): "Die Rieflings wollen das Rad der Geschichte auf 1933 zurückdrehen... In der Schule lernen wir viele Fakten über das Berufsleben, aber wenig darüber, wie wir eine Gesellschaft ohne Krieg und Gewalt aufbauen können."

Helmut Aßmann, Superintendent: "Christus war Jude, unser Rechtssystem kommt aus Rom, unsere Philiosophieaus Griechenland, und unsereBananen wachsen auch nicht inThüringen oder im Saarland... Wer nicht dazulernt, der bleibt eben ein dummer Mensch."

Regina Stolte, DGB-Vorsitzende: "Die Stadt hat uns viele Auflagen gemacht... Mit dem Verlauf bin ich zufrieden. Es ist ein gutes Zeichen, dass so viele Hildesheimer gekommen sind,um gegen die Neonazis in ihrer Stadt zu protestieren. Die politische Arbeit muss weitergehen."

Sebastian Wertmüller, DGB: "Was sinddas für Maßstäbe, wenn die Feinde der Demokratie, die Feinde der Menschlichkeit und Solidarität, genauso bewertet werden wie wir, die wir Demokratie und Freiheit und Menschlichkeit gegen das Nazipackverteidigen?"

Wolf-Georg von Eickstedt, Jüdische Gemeinde Hildesheim: "Bunt und weiß ist Hildesheim zum Michaelisfest. Das zeigt allen, dass wir die Braunen in dieser Stadt nicht brauchen. Es gibt hier viele Religionsgemeinschaften, die einen guten Dialog aufgebaut haben."

 

Zusätzliche Information