Brigitte Pothmer, MdB

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Sommertour 2010

12. August 2010

Auftaktveranstaltung des frauenORTES Elise Bartels

Hildesheim ist der achte frauenORT in Niedersachsen. Gewidmet ist er Elise Bartels, MdR, Frauen- und Sozialpolitikerin sowie Gründerin der AWO und einer Tageszeitung. An der Auftaktveranstaltung im »Historischen Rathaus« nahm Brigitte Pothmer teil. In ihrem Grußwort würdigte sie das Wirken von Elise Bartels.

Sommertour 2010

Brigitte Pothmer mit "Elise Bartels", Annette Jander

Grußwort von Brigitte Pothmer

Liebe Frau Viereck,
liebe Frau Könneker,
liebe Gäste,

zuächst möchte ich mich bei den GastgeberInnen für die Einladung und den Wunsch nach einem Grußwort bedanken.

Ich empfinde es wirklich als eine Auszeichnung, zu diesem Anlass über eine Frau zu sprechen, die Bedeutendes geleistet hat, die aus meiner Stadt kommt und die vor über 90 Jahren quasi eine Kollegin von mir war.

Für mich ist Elise Bartels vor allem eine Wegbereiterin.Sie gehörte zu den ersten Frauen, die ab 1919 ein neues Kapitel politischer Partizipation in Deutschland aufgeschlagen haben. Ihr politisches und soziales Engagement hat Spuren hinterlassen, die mit dem Hildesheimer Frauenort noch sichtbarer werden.

Wir können stolz auf diese Tochter unserer Stadt sein. Ich glaube, ich wäre gern ihre Freundin gewesen.Ich weiß nicht wie es Ihnen geht, aber ich kann bei der Beschäftigung mit historischen Persönlichkeiten der Versuchung nicht widerstehen, mir auch ein persönliches Bild zu machen.

Die politische Biographie, die gelesene Rede oder die Betrachtung der Gedenktafel löst bei mir immer auch die Frage aus: und wie war dieser Mensch sonst so? Hatte Elise Humor, hatte sie Hobbys und wie hat sie es nebenbei noch geschafft, den Einkauf zu erledigen? Oder noch anders gefragt: wie wäre sie heute?

Das ist natürlich für ein Grußwort eine ziemlich halsbrecherische Fragestellung. Und trotzdem möchte ich einmal drei - sozusagen - modernistische Ansätze im Zusammenhang mit unserer Elise wagen.

Erste Frage: Würde Elise heute die BILD-Zeitung lesen?

Meine Antwort: Ja. Und zwar nicht, weil sie ihr gefallen würde, sondern weil Elise wüsste, dass es gut ist, zu beobachten, wie Meinungen gemacht werden. Auch um die Bilder zu kennen, die gerade über die gezeichnet werden, für die sie als sozialpolitischeSchutzpatronin tätig wäre.

Zweite Frage: Würde Elise einen eigenen Facebook Account haben?

Meine Antwort: Ja. Und zwar, weil sie begreifen würde, dass die neuen Medien nützlich sind, um gute sozialpolitische Forderungen bekannt zu machen, zu Veranstaltungen und Demonstrationen einzuladen und sich mit anderen auszutauschen. Und mal ganz unter uns: Natürlich würde Elise dabei nicht wirklich wissen, wie das im Detail funktioniert.

Dritte Frage: Würde Elise es gut finden, dass solch eine Veranstaltung wie hier undheute für sie organisiert wird?

Meine Antwort: Ja. Weil ihr natürlich klar wäre, wie wichtig Vorbilder sind, und wie sehr spannende Biografien zur weiteren politischen Beschäftigung anregen. Menschen interessieren sich eben für Menschen. Elise wäre jedenfalls dafür. Aber es wäre ihr natürlich auch ein bisschen peinlich; sie würde uns alle ermahnen, nicht ganz so viel Aufhebens um sie zu machen. (Und sie wäre insgeheim aber natürlich auch ziemlich stolz darauf).

Drei Fragen, drei Mal mit Ja beantwortet.

Ich glaube, Elise war eine Person mit Visionen, mit konkreten Zielen und mit einem Blick nach vorn. Bei der Sozialpolitik, wie ich sie heute Elise Bartels zutrauen würde, stünde im Mittelpunkt der Zusammenhalt des Ganzen. Soziale Reformen müssten für sie sicher von einer gesellschaftlichen Idee geleitet sein und nicht von wirtschaftspoltischen Zwängen oder haushaltspolitischen Vorgaben diktiert werden. Gerechtigkeit, faire Löhne, Mindestlöhne! Die Frage, wie der gesellschaftliche Reichtum, den alle erwirtschaftet haben, wieder in die Gesellschaft zurückgebracht werden kann.

Diese Fragen würden sie beschäftigen. Und sie würde sich mit aller Kraft gegen die Spaltung der Gesellschaft stemmen, die dazu geführt hat, dass sich Armut geradezu vererbt.

Das Fazit: Ich wollte Ihnen eigentlich nur sagen, dass Elise Bartels in meiner Vorstellung heute wohl das wäre, was sie auch in ihrer Zeit war: eine moderne, emanzipierte, couragierte, kluge und aufgeschlossene Frau. Mit Herz, voller Leidenschaft und Engagement. So wie es in schwierigen Zeiten damals wie heute gebraucht wurde und wird.

Das soll mein Kompliment an Elise sein!

Zusätzliche Information

Sommertour 2010