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23. August 2010

MEGASTROMMASTEN? Nicht mit uns!

550 Menschen mit Trecker und Rädern demonstrieren gegen Höchstspannungsleitung bei Luttrum. Sie haben damit eindrucksvoll unterstrichen, dass sie sich diese überflüssige Landschaftsverschandelung, Umweltzerstörung und Gesundheitsgefährdung nicht widerstandslos gefallen lassen.

Der Artikel aus der Hildesheimer Zeitung im Wortlaut.

Im Starkstrom gegen Megamasten

550 Menschen mit Trecker und Rädern demonstrieren gegen Höchstspannungleitung bei Luttrum

megamasten

Ein Gefühl wie im Wendland: Beeindruckender Trecker-Korso wieder auf dem Rückweg nach Luttrum. Foto:Bornemann

Luttrum/Hohenassel (mb). Eduard Flassenberg gehörte von Anfang an zu den Gegnern der geplanten Höchstpannungsleitungen. Selbstverständlich gehörte der 49-Jährige auch zu den 550 Menschen bei der zentralen Kundgebung gegen die Megamasten. Flassenberg steuerte einen der 67 Schlepper-Züge, die sich von Luttrum aus auf den Weg nach Hohenassel machen sollten. „Das ist aber nicht mein Trecker, sondern der von Uli Zobel“, stellte der Betriebsschlosser fest. Zobel, Organisator des Protestzuges, war es denn auch, der die Teilnehmer zunächst in Luttrum gemeinsam mit Holles Bürgermeister Klaus Huchthausen einstimmte. „Ich bin schier beeindruckt, wie viele Menschen gegen diesen Wahnsinn demonstrieren wollen“, rief Huchthausen in die Menge.

„Hier sollen Gewinne zugunsten Einzelner auf Kosten der Allgemeinheit abgeschöpft werden“, sagte er und erntete dafür den lautstarken Applaus der Zuhörer. „Wir wollen nicht, dass unsere schöne Landschaft durch die Freileitungen zerschnitten wird.“ Anschließend hatte Karl Schenk seinen Auftritt, der Huchthausen allein 172 Einwände von Luttrumer Bürgern gegen die geplante Höchstspannungsleitung übergab. „Das sind rund 50 Prozent aller Einwohner“, stellte Schenk zufrieden fest. Auch der Wartjenstedter Landwirt Reinhard Schaare war nach Luttrum gekommen, um die Teilnehmer des Demonstrationszuges zu unterstützen.

„Ich danke vor allem den Landwirten für ihre Unterstützung, obwohl die eigentlich mitten in der Ernte sind.“ Aber: Alle müssen zusammenstehen, um den Bau der Stromtrasse als Freileitung zu verhindern. Es sei doch völlig unverständlich, dass die Transpower-Stomübertragungs-GmbH nicht auf eine Erdverkabelung mit Gleichstromübertragungstechnik setze.

„Das ist ungefähr so, als ob wir Bauern noch immer hinter dem Pflug herlaufen“, sagte er unter tosendem Beifall der Zuhörer. Dann setzte sich der Demonstrationszug in Bewegung. Es war ein beeindruckendes Bild einer langen Kette von Schlepper-Zügen die zunächst durch Luttrum rollten. Am Ende des Zuges folgten auch noch zahlreiche Autos. Eduard Flassenberg zeigte auf die vielen Transparente vor den Grundstücken.

„Es gibt hier im Ort zwar keine Bürgerinitiative, doch das ganze Dorf hält eben einfach zusammen“, betonte er. Nach der Dorfrundfahrt fuhr der Trecker- Korso über die Kreisstraße in Richtung Hohenassel. Parallel zur Straße, etwa 200 Meter entfernt in der Feldmark, rollte ein langer Zug von 150 Fahrrädern. Flassenberg zeigte in Richtung der Autobahn 39. „Dort hätte man während der Bauarbeiten im vergangenen Jahr ganz einfach die Erdkabel für die Stromtrasse mit verlegen können.“

Am Kundgebungsort in Hohenassel begrüße das Bläserkorps Wolfenbüttel die Demonstrationsteilnehmer mit dem flotten Wolfenbütteler Jägermarsch. Dann ergriff der Hohenasselner Landwirt Jörg Garrelts das Wort. „Wir haben bewusst diesen Standort für die Kundgebung gewählt, denn die vorgeschlagene Variante 2 würde Hohenassel nämlich förmlich umkreisen.“ CDU-Landtagsabgeordnete Ursula Ernst stellte sich gleich zu Beginn ihrer Rede auf die Seite der Demonstrationsteilnehmer: „Reinste Provokation, was sich Transpower mit dieser Trasse leistet.“

Sie hoffe aber, dass sich alle Fraktionen des Landtages auf einen gemeinsamen Antrag zur Änderung des Energieleitungsausbaugesetzes (EnLAG) verständigen können. „Wir brauchen die Gleichstromübertragung mit Erdkabel“, betonte sie. Schließlich sei dies bei der 550 Menschen mit Trecker und Rädern demonstrieren gegen Höchstspannungleitung bei Luttrum Ein Gefühl wie im Wendland: Beeindruckender Trecker-Korso wieder auf dem Rückweg nach Luttrum. Fotos: Bornemann 200 Kilometer langen Leitung zu den Nordsee-Windparks auch möglich gewesen.

Dieser Meinung teilte auch der CDULandtagsabgeordnete Frank Oesterhelweg. „Wir wollen ein Maximum an Erdverkabelung erreichen – dafür stehen wir ein.“ „So viele Trecker habe ich bislang nur im Wendland gesehen“, stellte die Grünen- Bundestagsabgeordnete Brigitte Pothmer zufrieden fest. Dabei seien Bauern eigentlich nicht so leicht auf die Straße zu bringen. „Doch wenn, dann können sie ziemlich dickköpfig und stur sein.“ Im Übrigen seien Erdkabel noch nicht einmal teurer. Nach Ansicht der Grünen sollte der Ausbau erneuerbarer Energien so schnell wie möglich vorangetrieben werden. „Wir lassen uns nicht zum Büttel von vier großen Energieversorgern machen, die die Republik wie Besatzungszonen unter sich aufgeteilt haben“, rief Pothmer.

„Meine Wut auf Transpower hält sich in Grenzen“, meinte Heike Krause von der Bürgerinitiative Erdkabel Innerstetal. „Ich bin sauer auf die großen Energieversorger und auf die Politiker, die sich von solchen Firmen instrumentalisieren lassen.“ Krause sieht in der geplanten Freileitung zur Verteilung des Stroms von den Kohlekraftwerken eher eine Ausrede für die Verlängerung der Laufzeiten von Atomkraftwerken.

„Das ist nicht nur dreist, sondern eine Sauerei.“ Eduard Flassenberg setzte sich nach der Kundgebung wieder auf seinen Trecker und fuhr nach Luttrum zurück. Ob die Freileitung am Ende verhindert werden kann, weiß er nicht. Doch eins ist sicher: „Unser ganzes Dorf hält weiter zusammen.“

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