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Die Redakteurin der »Neuen Hannoverschen Presse« PETRA RÜCKERL sprach mit Brigitte Pothmer, Bundestagsabgeordnete aus Hildesheim, über die Grünen auf dem Weg zur Volkspartei. Hier das Interview im Wortlaut.

Die Grünen im Umfragehoch – schreiben Sie die 20 Prozent schon auf Ihren Schuhsohlen oder fürchten Sie, dass Ihre Partei das Schicksal der FDP ereilt?
Ich bin nicht ernsthaft besorgt, weil wir bescheiden mit den Umfragewerten umgehen. Wir wissen, dass es sich um Stimmungen handelt, die wir erst in Stimmen ummünzen müssen. Den historischen Fehler des Größenwahns überlassen wir der FDP. Unser größtes Pfund ist die Glaubwürdigkeit, wir machen keine Versprechungen, die wir nicht halten können.
Falls sich die Umfrageergebnisse in Wahlergebnisse niederschlagen, gibt es nicht genügend Mandatsträger. Was tun?
Mit den guten Stimmungen gehen viele Neueintritte einher. Unsere Aufgabe besteht darin, diese Leute zu integrieren, sie zu qualifizieren, für die Parteiarbeit fit zu machen. Das wollen keine Parteileichen sein, die wollen was bewegen. Es sind viele junge Leute, aber auch beispielsweise viele Frauen, deren Kinder aus dem Haus sind, die nun neue Herausforderungen suchen.
Wird sich die Parteienlandschaft verändern?
Ja, realistisch ist, dass es künftig nicht mehr zwei Volksparteien, die bei bis zu 40 Prozent liegen, geben wird. Sondern drei Volksparteien, die je 20 bis 30 Prozent der Wählerstimmen einfahren.
Die Grünen als künftige Volkspartei?
Auf jeden Fall sind sie eine Erfolgspartei, und auf dem Weg zu einer echten Volkspartei. Das hat nicht nur mit der Anzahl der Wähler zu tun. Die Grünen bieten Angebote für die ganze Bevölkerung. Auch für die Wirtschaft und das Handwerk, das exorbitant von grüner Politik – siehe erneuerbare Energien – profitiert.
Wann können wir denn mit einem grünen Kanzlerkandidaten rechnen?
Wenn wir in Baden-Württemberg den ersten grünen Ministerpräsidenten stellen und in Berlin die erste grüne Regierende Bürgermeisterin, dann rückt die Frage näher. Bis dahin gilt: Achtung vor dem Größenwahn. Wir bleiben auf dem Teppich.
Übernommen im Wortlaut aus der »Neuen Hannoverschen Presse«