Kino-Matinée zum Internationalen Frauentag

Fotos: G. Granzow
Fotos: G. Granzow
Fotos: G. Granzow

Das Hildesheimer Aktionsbündnis gegen Gewalt an Frauen lud auch in diesem Jahr anlässlich des Internationalen Frauentages zur Kino-Matinée in den Hildesheimer Filmpalast Thega ein. Der Film "Hidden Figures - Unerkannte Heldinnen" lockte gut 400 Besucherinnen und auch einige Besucher in das Kino - ein neuer Rekord für das Frauenbündnis, denn die Ränge waren damit noch besser gefüllt als beim erfolgreichen Film "Suffragetten" im Vorjahr. Brigitte Pothmer, Schirmherrin des Aktionsbündnis, freute sich über die positive Resonanz der Hildesheimerinnen. In ihrer Begrüßungsrede forderte die Grünen-Politikerin dazu auf, die Errungenschaften der Frauenbewegung zu verteidigen gegen Rechtspopulisten, die Gesellschaft und Geschlechterrollen zurück in die 1950er-Jahre befördern wollen - egal ob sie Trump oder AfD heißen.

Vor dem Filmstart zeigten die Gäste in Anspielung auf die jüngsten feministischen Aktionen in den USA rosa "Pussy-Hat"-Schilder und gaben auf diese Weise ihr klares Statement gegen Sexismus und frauenfeindliche Gewalt ab. 

Brigitte Pothmers Begrüßung im Wortlaut:

 

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Frauen, liebe Männer,

ich darf Sie und euch im Namen des Hildesheimer Frauenbündnisses sehr herzlich zu unserer Film-Matinée zum Internationalen Frauentag 2017 willkommen heißen.

Mein Name ist Brigitte Pothmer. Ich bin Bundestagsabgeordnete von Bündnis 90/Die Grünen. Zum Hildesheimer Frauenbündnis gehören:  

 

 

  •          die Beratungs- und Interventionsstelle bei häuslicher Gewalt / BISS
  •          das Frauenhaus Hildesheim e.V. 
  •          die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Hildesheim·        
  •          die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Hildesheim
  •          das Gleichstellungsbüro der Stiftung Universität Hildesheim
  •          die kommunale Gleichstellungsbeauftragte im Landkreis Hildesheim
  •          das Opferhilfebüro Hildesheim
  •         die Polizeiinspektion Hildesheim
  •          der Präventionsrat Hildesheim, AG Opferschutz
  •          der Sozialdienst katholischer Frauen e.V./SkF
  •          die WILDROSE – Beratungsstelle gegen sexuelle Gewalt e.V.
  •          der Arbeitskreis Grüne Frauenpolitik

 

Wir haben uns die Durchsetzung der Gleichberechtigung auf die Fahnen geschrieben und arbeiten insbesondere gegen Sexismus und Gewalt gegen Frauen.  Wir freuen uns, dass Sie unser Anliegen mit Ihrer Anwesenheit unterstützen. Herzlichen Dank dafür.

Bedanken möchten wir uns auch bei unserem bewährten Kooperationspartner, dem Thega Filmpalast,  ohne den wir nicht in so schöner Regelmäßigkeit die Verbindung von Kinokultur und politischem Engagement präsentieren könnten. Vielen Dank, es ist wieder immer toll hier zu sein.

Bevor die Filmvorführung beginnt, und wir uns den Hidden Figures zuwenden, möchte ich gerne noch ein paar Worte sagen.

 

Liebe Frauen,

Meine Damen und Herren

liebe Unterstützerinnen und Unterstützer,

vermutlich wird es Ihnen ähnlich gehen: Für mich hat der Internationale Frauentag 2017 eine besondere Dimension bekommen. Der offensichtlichste Grund dafür ist Donald Trump, ein Sexist, der Frauen beleidigt, abwertet und sich mit sexuellen Übergriffen brüstet. Ein US-amerikanischer Präsident, der meint, sich als mächtiger Mann jede Unverschämtheit erlauben zu können.  

Ich dachte, dass ein Mann, der so denkt und spricht, keine Chance hat, zum Präsidenten gewählt zu werden. Dass es trotzdem passiert ist, zeigt, dass die zivilisatorische Firnis dünner ist als gedacht. Der Konsens über die Gleichwertigkeit der Geschlechter ist offenbar auch in den aufgeklärten Demokratien des 21. Jahrhunderts nicht so ausgeprägt, dass sich ein Mensch wie Trump automatisch disqualifizieren würde.

Aber nicht nur in Amerika scheinen Sexismus und Gewalt gegen Frauen wieder salonfähig zu sein.  „Hure“ und „Schlampe“ – das sind noch die harmloseren Ausbrüche gegen Frauen in den Sozialen Medien. Blanker Hass und Vergewaltigungsdrohungen sind inzwischen an der Tagesordnung, wenn Frauen im Netz Position beziehen – auch in Deutschland.

Das zeigt, dieser Backlash ist kein rein amerikanisches Phänomen. Auch in Deutschland ist ein neuer Kulturkampf entflammt. Die AFD inszeniert sich zwar als Partei der Abgehängten. Doch ihre Anhänger finden sich in allen Schichten. Ihr Erfolg hat mit viel mehr zu tun als mit der sozialen Spaltung. Die AFD-Anhänger wolllen nicht nur, dass keine Flüchtlinge ins Land kommen. Sie wollen zurück in ein Deutschland der fünfziger Jahre als Männer angeblich noch richtige Männer waren und Frauen angeblich noch richtige Frauen. Sie wollen das hierarchische Geschlechterverhältnis wieder herstellen, das eine wesentliche Voraussetzung für Gewalt gegen Frauen ist.

Wir haben in den letzten Jahrzehnten in Sachen Gleichberechtigung enorm viel erreicht. Aber offenbar nicht genug. Vielleicht haben wir aber auch das Erreichte für zu selbstverständlich genommen. Ich bin überzeugt davon, dass nicht nur hier im Saal eine Mehrheit für Werte wie Solidarität, Toleranz, Humanität und Menschenrechte eintritt.  Aber diese Mehrheit ist bisher ziemlich still geblieben. Ich glaube, das muss sich ändern.

-          Dem Hass muss offensiv und laut widersprochen werden.

-          Und den populistischen Demagogen und ihrer nationalistischen und autoritären Politik müssen wir uns offensiv entgegenstellen.

-          Wir brauchen Bürgerinnen und Bürger, die nicht nur ihre persönliche Freiheit lieben, sondern auch für die  Freiheit aller eintreten.

 

Meine Damen und Herren,
liebe Freundinnen und Freunde,

die Wahl Trumps war ein Einschnitt und in gewissem Sinne auch ein Weckruf. Sie haben vielleicht von den  Women`s Marches, den Frauenmärschen, gehört, die sich nach der Wahl als Protest gegen Trump organisiert haben. Millionen Menschen sind überall in den USA auf die Straße gegangen, Frauen und Männer der verschiedensten Rassen und Klassen, die für die unterschiedlichsten Belange unterwegs waren; für Frauenrechte, Umweltschutz, Frieden, für Rechte von Transsexuellen und Behinderten und für viele andere demokratische Forderungen. Sie waren friedlich und ihr Protest war voller Witz.  Zum Symbol des Protests sind die Pussy Hats, rosa Strickmützen, geworden – eine ironische Replik auf Trumps pussy grabbing-Äußerung, die inzwischen in der ganzen Welt zu sehen sind.

Wir haben uns gedacht, was die Welt kann, kann Hildesheim schon lange und würde ich gerne mit Ihnen einen solidarischen Gruß überall dorthin senden, wo Frauen- und andere Menschenrechte unter Druck stehen.

Eigentlich wollte ich für diesen Zweck für alle einen Pussy Hat mitbringen, aber leider waren meine Strickkapazitäten nicht dem erfreulichen Andrang heute gewachsen. Darum sind es Pussy-Hat-Schilder geworden. Ich möchte Sie und euch bitten, die Schilder jetzt hochzuhalten und damit ein sichtbares Statement gegen Sexismus, gegen Gewalt gegen Frauen für eine offene und liberale Gesellschaft abzugeben.

Vielen Dank für diese kraftvolle Demonstration, ich bin begeistert von Ihnen. Damit ist uns der hashtag #lastnightinhildesheim bestimmt sicher.

Liebe Gäste,

ich will jetzt nicht mehr viele Worte über den Film verlieren, den wir schließlich jetzt alle gleich sehen werden. Nur so viel: ich finde, dass dieser Film unterhaltsam und trotzdem sehr eindrucksvoll daran erinnert, was Amerika (und uns alle) wirklich ‚great‘ gemacht hat: Die Idee, dass alle Menschen die gleichen Rechte haben und Respekt verdienen, gleichgültig welches Geschlecht, welche Hautfarbe oder welchen Pass sie besitzen. Und, wenn ich das hinzufügen darf, egal, ob sie Mathe können.

 

In diesem Sinne: Film ab und gute Unterhaltung! 

Wahlkreisbüro

Anschrift:

Jakobistraße 15
31134 Hildesheim
T: 05121/9990203
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und dienstags von 14 - 17 Uhr

 

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Maike Breitmann und Rudi Zimmeck